Fotografiska: Fotomuseum Stockholm

Sonntag, 22. August 2010

Stockholm ist seit diesem Jahr um eine Attraktion reicher. Nur wenige Gehminuten vom Slussen entfernt findet man jetzt das Fotografiska museet, das Fotografiemuseum. Ein Besuch lohnt sich schon alleine deshalb, da der Ausblick aus der Cafetaria hervorragend ist. Aber auch die aktuellen Fotoausstellungen enttäuschen nicht.

Fotografiska museet im Hafen

Fotografiska museet im Hafen

Das Fotografiska beherbergt in einem alten Industriegebäude direkt am Hafen eine Vielzahl von Ausstellungs- und Konferenzräumen. Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Die Fassade ist aus Ziegelsteinen (Verklinkerte Gebäude gewinnen scheinbar in Schweden an Beliebtheit) und noch im Original enthalten. Renoviert werden mussten jedoch die Innenräume des alten Zollgebäudes. Noch sind nicht alle Räume des Museums fertig gestellt und als Ausstellungsfläche in Benutzung. Vier Ausstellungen finden aktuell jedoch schon Platz und Zuschauer. Welcher Künstler seine Bilder ausstellen darf, wird von einem siebenköpfigen Rat entschieden. Dies haben die Gründer des Museums Jan und Per Broman so festgelegt.

Zugpferd des Museums ist eine Ausstellung der Werke der Amerikanerin Annie Leibovitz. Darüber hinaus werden Fotos von Lennart Nilsson über die Entstehung des Menschen gezeigt. Also eine Art Ausstellung von Ultraschallbildern. Der schwedische Fotograf Anders Petersen nennt seine Zusammenstellung “From Back Home”. Er hat in den 80er Jahren in Värmland, der traditionsreichen Region in Schwedens Westen, Fotos vom Alltagsleben seiner Mitmenschen gemacht. Hauptaugenmerk ist dabei das Bestreben der Menschen mit anderen in Kontakt zu treten. Eine schöne Sammlung von Fotos, die viel über die damalige Zeit zum Ausdruck bringt.

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Katzenjammer aus Norwegen

Dienstag, 22. Juni 2010

Vor wenigen Stunden ging in Norddeutschland das mittlerweile zweitgrößte Festivals Deutschland, das Hurricane-Festival, zu Ende. Wie schon in den letzten Jahren überzeugte das Wetter nicht, so dass man sich an guten Konzerten aufheitern musste. Und eines war in diesem Jahr besonders gut: vier Frauen aus Norwegen bringen eine Mischung aus Rock, Folk und Pop auf die Bühne, machen eine prima Show und beeindrucken durch die Beherrschung unterschiedlichster Instrumente.

Turid Jørgensen mit Kontrabassbalalaika Foto: Sweeet

Turid Jørgensen mit Kontrabass-balalaika, Foto: Sweeet

Wie so viele Skandinavier mussten die vier  Damen vermutlich in der Schule deutsche Konjunktivformen und Artikel lernen und kamen so auf den deutschen Bandnamen. Wie Gejammer klingt ihr Gesang aber ganz und gar nicht. Alle vier überzeugten durch eine gut geschulte Stimme. Gesungen wurden dabei nicht nur bei hohen Tönen, sondern z.T. auch in Brummtönen bzw. Rockröhrentonlage. Noch viel faszinierender als die Stimmen waren aber sicher die Fertigkeiten an den Instrumenten. Bei jedem Lied des mindestens 50 Minuten langen Gigs  wechselten die vier Bandmitglieder das Instrument. Dabei beschränkten sie sich nicht nur auf die klassischen Instrumente: Schlagzeug, Bass, E-Gitarre und Keyboard. Akkordeon, Glockenspiel, Trompete, Mundharmonika, Banjo und eine hübsche selbst bemalte Kontrabassbalalaika (gleichzeitig Maskottchen mit Namen Borge) rundeten das Profil ab. Laut Internetseite beherrschen die vier Norwegerinnen aber noch mindestens doppelt so viele Instrumente.

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Internationaler Frauentag: Schwedische Erfolgsfrauen

Montag, 8. März 2010

Es kommt nicht häufig vor, dass Milliarden von Menschen an einem Tag gemeinsam feiern. Heute ist so ein Fall, denn es ist Internationaler Frauentag. Und auch wenn bei vielen keine Feierstimmung aufkommt, so gibt es doch einige Medien und Einrichtungen, die den Tag nicht völlig kommentarlos verstreichen lassen wollen. Es geht nicht darum, das Frausein zu feiern. Und auch nicht darum, die Gebärfreudigkeit der Frauen zu zelebrieren. Es geht wohl eher darum, zu zeigen, wie es um die Gleichstellung in der Gesellschaft steht. Von der Rolle und den Probleme der Frau zu sprechen. Oder Selbstvertrauen zu geben, indem von positiven Beispielen berichtet wird.

Dagens Nyheter listet beispielsweise die 125 einflussreichsten Frauen der schwedischen Wirtschaft auf. Das ist vielleicht nicht die entscheidenste Aufstellung des Tages, aber im Gegensatz zum angeblichen deutschen Presseflagschiff Nr. 1, dem “Spiegel”, wird der Tag immerhin berücksichtigt. Und wer ist nun die mächtigste Frau des schwedischen Wirtschaftslebens? Wenig bekannt ist sie auf jeden Fall. Bis zu einem Wikipedia-Eintrag hat sie es bisher nicht geschafft. So populär ist ihr Arbeitsbereich auch nicht. Schließlich arbeitet sie im Industrie- und Rüstungssektor. Und das für SAAB, einer Firma mit potentiell ungewisser Zukunft. Hier ist Lena Olvig Vizegeschäftsführerin. In der Rankingliste war sie seit 2002, bevor sie zu SAAB gekommen ist, hat sie bereits für Volvo in Asien gearbeitet.

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Maria Sveland – Bitterfotze

Donnerstag, 10. September 2009

Wütender Titel, wütendes Buch. Die Journalistin Maria Sveland schreibt einen Roman über Feminismus und Gleichstellungsprobleme im familien- und kinderfreundlichen Schweden. 2007 erschien “Bitterfittan” bereits in Schweden und verursachte große Diskussionen. Im Frühjahr 2009 kam es auch bei uns heraus und provozierte ganz unterschiedliche Meinungen sowohl im Feuilleton (taz, FAZ) als auch bei amazon. Dabei ist es eines der besten schwedischen Bücher der letzten Jahre.

Hauptperson und Ich-Erzählerin ist Sara, eine Journalistin um die 30, die mit einem Theaterregisseur verheiratet ist und in Stockholm wohnt. Sigge ist ihr zweijähriger Sohn. Im kalten Januar kommt Sara auf die Idee, dass sie für eine Woche alleine in die Sonne nach Teneriffa verreisen will, um sich zu erholen und Abstand vom frustrierenden Alltag zu gewinnen. Das Buch behandelt die Phase der Reise und wurde von Sveland um zwei Erzählebenen ergänzt. Zum einen berichtet die Protagonistin ausführlich von ihrer Jugend und der gescheiterten Ehe ihrer Eltern. Zudem reflektiert Sara ihre Urlaubslektüre. Mit “Angst vorm Fliegen” von der Amerikanerin Erica Jong hat sie sich einen Klassiker und Bestseller der Frauenliteratur der 70er Jahre ausgesucht.

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Frauen-Power im Norden

Dienstag, 28. Oktober 2008

Weit verbreitet ist die Meinung, dass die Gleichberechtigung in Schweden weiter fortgeschritten ist als in vielen anderen Ländern dieser Welt. Und Zahlen aus einem UN-Report über Gleichstellung belegen dies. Der Anteil Frauen bei den Erwerbstätigen liegt bei 51%. Es besuchen beinahe genau so viele Mädchen eine höhere Schule wie Jungen. Und Schweden hat mit einem Frauenanteil von etwa 45% mit die meisten weiblichen Abgeordneten weltweit. (Quelle: Zeit)

In der Tat haben die Schweden neben etlichen anderen Ombudsmännern auch eine Person, die für die Gleichstellung zuständig ist. Zwei Besonderheiten gibt es in diesem Zusammenhang. Die Amtsträgerin oder der Amtsträger setzt sich nicht nur für diskriminierte Frauen, sondern auch für die diskriminierten Männer ein. Außerdem sind etliche Gleichstellungsbeauftragte in Schweden männlich – ein Umstand, der mir hierzulande noch nicht begegnet ist.

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