Hämmern, Sägen, Pflastern: Schwedische Bauwut
Bob der Baumeister muss in Schweden ein Nationalheld sein. Die Schweden lieben es, an ihren Häusern oder Ferienhütten rumzubasteln. Da wird gehämmert, gemalt, gepflastert oder die Regenrinne ausgewechselt. Zumindest im Sommer ist im schwedischen Fernsehen fast jeder zweiter Werbespot Werbung für einen Baumarkt oder – in Schweden auch möglich – ein Internetbaumarkt.
Es ist nicht ungewöhnlich, wenn auf schwedischen Grundstücken ein Bagger oder sonstige Baufahrzeuge zu sehen sind. Merkwürdig ist nur, dass viele erst ihr Haus verschönern, dann aber den gesamten Bauschutt in ihrem Garten liegen lassen. Und das scheinbar nicht nur ein paar Tage, sondern eher mittelfristig. Die Grundstücke in Schweden sind außerhalb der Städte aber ja auch groß genug, so dass sie sich deshalb vielleicht gar nicht so sehr daran stören.
Aus deutscher Sicht sind mehrere Dinge auffällig: Zäune sind eher untypisch. Wenn es Zäune gibt, sind dies häufig Zäune mit diagonalen Holzstreben, die sehr ansehnlich sind. Wenig Verbreitung haben auch Garagen. Und das, obwohl es im Winter ja wesentlich kälter ist als in Deutschland, was nicht jedes Auto gerne hat. Geschlossene Garagen sieht man äußerst selten. Dafür sind Carpots weiter verbreitet. Vielleicht zählt das Auto in Schweden auch nicht so viel wie andere Gefährte. Die Motorboote haben in manchen Gärten immerhin Schuppen oder – auch nicht ungewöhnlich – eine Art Zelt als Unterstand. Wenn auf einem Grundstück mehrere Gebäude stehen, ist es aber wichtig, dass alle in derselben Farbe angestrichen sind.
Für gewöhnlich sind die Häuser in Schweden vergleichsweise klein. Es ist zum Beispiel nicht ungewöhnlich, wenn die Kinder sich ein Zimmer teilen. Räume sind eher flach und -wie jeder weiß – ist Holz das dominierende Baumaterial. In Regionen mit einen überproportional vielen Neubauten sieht man jedoch, dass neuerdings auch viele verputzte oder verklinkerte Häuser gebaut werden. Und zweigeschossige Häuser, bei denen nicht länger eine Etage im Keller angesiedelt ist.
Wie in vielen Ländern herrscht auch in Schweden Landflucht. Im Vergleich zu Deutschland gibt es in Schweden jedoch nicht so viele Großstädte. Aus diesen Gründen wachsen Göteborg und Stockholm stark und kontinuierlich in die Breite. Wenn man in die Außenbezirke Stockholms fährt, sieht man, dass die meisten Häuser nicht älter als 50 Jahre sind. Und es wird immer weiter gebaut. Aus diesem Grund sehen manche Vororte auch sehr konstruiert und künstlich aus. Die Orte sind eventuell zu schnell gewachsen. Es gibt keine Mischung von Wohnen und Geschäften, sondern auf einem Fleck Geschäfte und in anderen Ecken nur Wohnblöcke. Das mag praktisch sein, weil man für Besorgungen nur einen Ort anfährt, aber schön ist es nicht.
Jetzt geht der Sommer langsam zu Ende. Da müssen die schwedischen Baumeister sich beeilen, um noch vor dem kalten Winter alles erledigt zu haben. Danach muss sich der Handwerker den Einrichtungen im Haus widmen. Und auf den nächsten Frühling warten…









