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	<title>Das Leben ist kein Ponyhof &#187; Geschichte</title>
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	<description>von Stockholm und Schwedischem</description>
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		<title>Ostseeinsel Gotland</title>
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		<pubDate>Mon, 30 May 2011 21:01:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Natürlich kann man auch in Schweden sehr gut Urlaub machen. Und die Schweden selbst verbringen den Sommer gerne im Heimatland. Zum Beispiel auf der Ostseeinsel Gotland. Diese liegt etwa 100 Kilometer östlich vom schwedischen Festland und noch etwas nördlich von der zweiten großen schwedischen Insel Öland. Damit liegt es fast in der Mitte zwischen Schweden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Natürlich kann man auch in Schweden sehr gut Urlaub machen. Und die Schweden selbst verbringen den Sommer gerne im Heimatland. Zum Beispiel auf der Ostseeinsel Gotland. Diese liegt etwa 100 Kilometer östlich vom schwedischen Festland und noch etwas nördlich von der zweiten großen schwedischen Insel Öland. Damit liegt es fast in der Mitte zwischen Schweden und Lettland.</p>
<div id="attachment_1947" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2011/05/raukar_gotland_eutrophicationhypoxia.jpg"><img class="size-medium wp-image-1947" title="Raukar auf Gotland (Foto: eutrophication&amp;hypoxia)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2011/05/raukar_gotland_eutrophicationhypoxia-300x205.jpg" alt="Raukar auf Gotland (Foto: eutrophication&amp;hypoxia)" width="300" height="205" /></a><p class="wp-caption-text">Raukar auf Gotland (Foto: eutrophication&amp;hypoxia)</p></div>
<p>Gotland ist aus mehreren Gründe speziell. Zum einen gibt es auf der Insel einen besonderen Dialekt namens Gutamål (Deutsch: Gutnisch). Einige meinen, dass es sich um eine eigene Sprache handelt. Dafür spricht, dass es auch noch einen eigenen Dialekt der Insel namens Gotländisch gibt. Außerdem soll es Gutamål gegeben haben, als sich Schwedisch gerade noch entwickelt hat. Wer einen Einblick in die Sprache bekommen möchte, wird <a href="http://www.gutamal.org/gutamal/texter/51-nygutniska-ord">hier</a> fündig.</p>
<p>Nun könnte man meinen, wenn die Insel schon Gotland heißt, wird hier Gotisch gesprochen. Heutzutage spricht aber keiner mehr diese ostgermanische Sprache. Gutamål ist außerdem eine nordgermanische Sprache. So ganz aus dem Nichts kommt der Name Gotland jedoch nicht. Laut der Gutasaga lebten die Goten auf der Insel, bevor Teile von Ihnen nach Europa zogen und große Flächen eroberten. Die Gutasaga ist allerdings nicht gerade die verlässlichste historische Quelle. Vergleichbar mit der Nibelungensage. Die Forschung hält es für eher unwahrscheinlich, dass die Goten aus Skandinavien stammen.</p>
<p><span id="more-1934"></span></p>
<p>Auf der Insel wurde lange Zeit Kalkstein abgebaut und gebrannt. Das hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. In Slice steht allerdings noch Schwedens größtes Zementwerk. An lokalen Spezialitäten gibt es seltene Orchideenarten (35 verschiedene in der freien Wildbahn). Außerdem das Guteschaf, eine der ältesten Haustierrassen Schwedens. Aufgrund seiner Robustheit verbreitete sich das Tier und ist heute auch in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden zu finden. 4000 Tiere gibt es etwa von dieser Rasse.</p>
<p>Hauptort der Insel ist die ehemalige Hansestadt Visby. Bei der zentralen Lage ist es wenig verwunderlich, dass die Stadt sich als optimaler Ort für den Handel herauskristallisierte. Aber die Lage hat auch Nachteile. Mehrere Kämpfe und Kriege fanden auf und um die Insel statt. Sie war unter schwedischer, dänischer und russischer Herrschaft. Auch in Deutschland gab es Begehrlichkeiten vom Deutschen Orden. Im Laufe der Jahrhunderte und spätestens mit der Industrialisierung nahm die Bedeutung Visbys und somit der ganzen Insel ab. Der Ruf als Mittelalter-Ort blieb jedoch bestehen. Im Sommer finden regelmäßig Ritterspiele statt. Höhepunkt ist die Mittelalterwoche in Visby, dieses Jahr vom 7. bis 14. August 2011. Etwa 200.000 Besucher betrachten das Spektakel. In Stånga finden außerdem im Juli die so genannten Stångaspiele statt. Diese umfassen Wettkämpfe in alten gutnischen Sportarten.</p>
<p>Für Touristen ohne Ritterrüstung oder Magdgewand sind die so genannten Raukar interessant. Raukar sind Kalksteinsäulen am Strand, die bis zu 10 Meter hoch sind. Die Insel hat insgesamt 800 Kilometer Strand. Genug Platz für die etwa 50.000 Einwohner und einige Tausend Touristen. Auch zum Radfahren soll die Insel mit dem milden Klima gut geeignet sein. Angeblich hat die Insel auch die meisten Sonnenstunden in Schweden. Für Kinder ist sicherlich ein Besuch der Villa Kunterbunt Pflicht. Auf Gotland wurden die Pippi Langstrumpf-Filme gedreht. Das Zuhause von Pippi, Herrn Nilsson und Herrn Onkel befindet sich in Kneippbyn in der Nähe von Visby. Auch die inoffiziellen Weltmeisterschaften im Kubb-Spielen finden auf Gotland statt. Kubb ist ein Holz- und Geschicklichkeitsspiel, bei dem Holzstücke geworfen werden.</p>
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		<title>Kulturhauptstadt 2011: Turku</title>
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		<pubDate>Fri, 20 May 2011 16:55:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
				<category><![CDATA[Skandinavien]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Sommer naht mit großen Schritten und wer es noch nicht getan hat, sollte sich langsam Gedanken über seinen Sommerurlaub machen. So ein solcher zeitlich und finanziell machbar ist. Nun zieht es jedes Jahr aufs Neue Zehntausende von deutschen Touristen nach Spanien, Italien und Schweden. Aber warum nicht auch mal nach Finnland reisen? Seen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Sommer naht mit großen Schritten und wer es noch nicht getan hat, sollte sich langsam Gedanken über seinen Sommerurlaub machen. So ein solcher zeitlich und finanziell machbar ist. Nun zieht es jedes Jahr aufs Neue Zehntausende von deutschen Touristen nach Spanien, Italien und Schweden. Aber warum nicht auch mal nach Finnland reisen? Seen und Wälder gibt es dort in Hülle und Fülle. Vielleicht sogar mehr als in Schweden. Klimatisch sollte es sich auch nicht allzu sehr von Schweden unterscheiden. Zumindest wenn man im Süden des Landes bleibt und es Sommer ist. Die Sprache könnte einige Touristen abschrecken, aber ich habe bisher keine fleißigeren Fremdsprachler als die Finnen kennen gelernt. Englisch und Deutsch sind weit verbreitet.</p>
<p>Gerade in diesem Jahr könnte sich eine Reise nach Finnland außerdem lohnen, da Turku (Schwedisch: Åbo) derzeit Europäische Kulturhauptstadt ist. Turku liegt im Schärengarten an der südlichen Spitze des Landes. Nach eigenen Aussagen ist sie die älteste Stadt Finnlands. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war sie außerdem die Hauptstadt des Landes. Heute leben etwa 180.000 Einwohner dort, somit ist sie die fünftgrößte Stadt der Finnen. Vor Ort gibt es zwei offizielle Sprachen: Finnisch und Schwedisch. Wobei nur jeder 20. Turkuer heutzutage noch Schwedisch als Muttersprache hat (Mitte des 19. Jahrhundert waren es ca. 50%). Die meisten Einwohner der Stadt beherrschen jedoch beide Sprachen. Die Zweisprachigkeit erklärt auch die zwei Namen der Stadt. Turku geht auf einen russischen Begriff für Marktplatz zurück. Åbo bedeutet in etwa Wohnen am Fluss. Der Fluss heißt Aurajoki und teilt die Stadt in zwei Hälften.</p>
<p>Turku war im Mittelalter eine wichtige Handelsstadt. Bereits im 13. Jahrhundert wurden hier ein Dom und eine Burg errichtet. Außerdem war die Stadt Bischofssitz. Mit der Hanse wurde reger Handel betrieben, die Stadt trat dieser Vereinigung aber nicht selbst bei. Viborg war die zweite bedeutende finnische Handelsstadt in den tiefen des Mittelalters. Während dieser Zeit gehörte Turku zum Königreich Schweden und war somit auch von den Machtkämpfen mit den Dänen und interne Streitigkeiten betroffen. Nach Abschluss dieser Phase wurde 1640 in Turku die erste Universität Finnlands eröffnet.</p>
<p><span id="more-1917"></span></p>
<p>Im 19. Jahrhundert fiel Turku zeitweilig unter russische Herrschaft. Diese Phase werden die Turkuer in schlechter Erinnerung haben, denn Zar Alexander I. entschied 1812, dass Helsinki die neue Hauptstadt werden sollte: Grund: die größere Nähe zu St. Petersburg (Helsinki liegt allerdings nur etwa 180 Kilometer weiter östlich). Diese Entscheidung manifestierte sich durch einen verheerenden Großbrand im Jahre 1827, der große Teile Turkus zerstörte. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Helsinki Turku auch in Sachen Einwohneranzahl überholt. Außerdem wurden die Universitätsakademien nach Helsinki verlegt.</p>
<p>Mit Beginn des 20. Jahrhunderts konnte sich die Stadt wieder berappeln. Im Gegensatz zu anderen finnischen Städten konnten sie in den Weltkriegen ihre Produktion fortführen und Produkte im- und exportieren. Außerdem wurde der Universitätsbetrieb 1918 wieder aufgenommen. Heute steht die Stadt mit allein drei Universitäten für Forschung, Schiffbau und Fährverkehr. Bis heute bestehen leichte Rivalitäten zwischen Turku und Helsinki bzw. Turku und Tampere. Helsinki wird belächelt, weil es keine so lange Geschichte wie Turku hat. Tampere wird angefeindet, weil die Stadt heute zweitgrößte finnische Stadt ist und somit Turku überholt hat. Einer der Gründe, warum die Turkuer ihren eigenen finnischen Dialekt pflegen.</p>
<p>Über eine ereignishafte Vergangenheit verfügt die Stadt schon mal. Dass die Finnen sie als Kulturhauptstadt ausgewählt haben, scheint stimmig (im Gegensatz zur deutschen Entscheidung den Ruhrpott als Kulturhauptstadt präsentieren zu wollen, was &#8211; nicht nur aufgrund der Ereignisse von Duisburg &#8211; wohl eher als Flop angesehen werden kann). Kultur heißt ja für viele auch immer alte Kirchen und Gebäude. Die kann Turku vorweisen, ist sie doch seit langem evangelischer Bischofssitz und im Besitz von Dom und Kloster. Die Stadt besitzt ein Musik-Museum, das nach dem finnischen Komponisten Jean Sibelius benannt wurde. Die Burg (gebaut um 1280) wurde leider im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und z.T. wieder rekonstruiert, was ja leider meistens den Charme des Bauwerks nicht wieder errichtet.</p>
<p>Wie es sich für eine echte Küstenstadt gehört, gibt es im Hafen historische Schiffe anzusehen. Ein Freilichtmuseum mit vom Brand 1827 verschonten Häusern zeigt außerdem, wie die Menschen zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelebt haben. Der Brand scheint die Stadt lange Zeit geprägt zu haben. Das Motto des Kulturhauptstadtjahrs lautet nämlich &#8220;Turku in Flammen&#8221;. Ziel soll es sein den Menschen zu beweisen, dass Kultur wichtig ist für das Wohlbefinden der Menschen und für die Umwelt. Ob das passt, sollte jeder selbst einschätzen.<br />
Das Programm zu den diesjährigen Veranstaltungen findet sich <a href="http://www.turku2011.fi/en">hier.</a></p>
<p>Neben Turku ist die Hauptstadt Estlands Tallinn in diesem Jahr Kulturhauptstadt. Ein Besuch der mittelalterlichen Stadt lohnt sich auf jeden Fall. Aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr.</p>
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		<title>Exilant in Schweden: Kurt Tucholsky</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Dec 2010 17:34:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Berühmtheiten]]></category>
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		<description><![CDATA[Am 21.12. war der 75. Todestag von Kurt Tucholsky. Tucholsky war Schriftsteller, Journalist und Mitherausgeber der Weltbühne. Für viele war er einer der wichtigsten Publizisten im 20. Jahrhundert. In einer politisch unruhigen Zeit engagierte er sich gegen den alles beherrschenden Nationalsozialismus. Was viele vielleicht gar nicht wissen: Gestorben ist Tucholsky mit nur 45 Jahren 1935 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 21.12. war der 75. Todestag von Kurt Tucholsky. Tucholsky war Schriftsteller, Journalist und Mitherausgeber der Weltbühne. Für viele war er einer der wichtigsten Publizisten im 20. Jahrhundert. In einer politisch unruhigen Zeit engagierte er sich gegen den alles beherrschenden Nationalsozialismus. Was viele vielleicht gar nicht wissen: Gestorben ist Tucholsky mit nur 45 Jahren 1935 in Göteborg. Seit 1930 lebte er in Hindås, einem Vorort Göteborgs.</p>
<div id="attachment_1784" class="wp-caption alignleft" style="width: 187px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/12/354px-TucholskyParis1928.jpg"><img class="size-medium wp-image-1784" title="Kurt Tucholsky 1928 in Paris" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/12/354px-TucholskyParis1928-177x300.jpg" alt="" width="177" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Kurt Tucholsky 1928 in Paris</p></div>
<p>Geboren ist Tucholyks 1890 in Berlin Moabit als Sohn eines jüdischen Bankkaufmanns. Er wuchs ohne Geldprobleme auf, allerdings nicht in Berlin, sondern in Stettin. Zunächst studierter er Jura, war aber bereits während seines Studiums häufig als Journalist tätig. Seine Passion wurde zum Beruf. Die Zeiten brachten es mit sich, dass ihm der Stoff niemals ausging.  Nebenbei wuchs auch sein Interesse am Schriftstellertum. Vorbild war ihm der große Vormärz Schriftsteller, Satiriker und Publizist Heinrich Heine. Mit seiner Erzählung &#8220;Rheinsberg. Bilderbuch für Verliebte&#8221; und später &#8220;Schloss Gripsholm&#8221; fand er Beachtung, an Heines literarische Größe kam er jedoch nicht ganz heran.</p>
<p>Wichtiger als sein literarisches Schaffen war seine Umtriebigkeit im Bereich des Journalismus und der Publizistik. Tucholsky sympathisierte erst mit den Sozialdemokraten, war dann Mitglied der USPD (damals die linken Sozialdemokraten) und stand später der KPD nahe. Seine Artikel waren von einem dementsprechenden Tenor geprägt. Berühmt ist sein Aussprach &#8220;Soldaten sind Mörder&#8221;, der noch heute (trotz zweier Weltkriege) viele Gemüter erhitzt (Tucholsky war selbst Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen, wenn auch nicht im Schützengraben).</p>
<p><span id="more-1774"></span></p>
<p>Natürlich stieß Tucholsky bei den deutschen Behörden auf wenig Gegenliebe. Die Nationalsozialisten besetzten in zunehmenden Maßen die wichtigen gesellschaftlichen Posten und ergriffen ihre Maßnahmen gegen Andersdenkende. Sowohl Tucholsky als auch sein Freund Carl von Ossietzky wurden wegen ihrer Artikel angeklagt. Bei Tucholsky  führten die politischen Ereignisse in Deutschland nach und nach zur Resignation. Auch damit ist sein Umzug nach Schweden zu erklären. Immerhin entkam er im Gegensatz zum Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky dem Tod im Konzentrationslager. Der Gang ins Exil ermöglichte es Tucholsky allerdings auch noch besser, seine Meinung weiter kundzutun. Durch unterschiedliche Pseudonyme konnte er zuvor die Mühlen der deutschen Behörden etwas langsamer mahlen lassen.</p>
<p>In den fünf Jahren, die Tucholsky in Schweden verbrachte, nahm seine Produktivität zunehmend ab. Bereits ab 1931 schrieb er nur noch sporadisch für die Weltbühne. Die Situation in seinem Heimatland hat er als katastrophal erkannt und ging nicht von einer schnellen Wende aus. Seine Resignation ging einher mit der Trennung von seiner zweiten Frau Lisa Matthias und einer hartnäckigen Atemwegserkrankung. Immerhin blieb Schweden im Gegensatz zu Dänemark und Norwegen selbständig und wurde nicht von den Deutschen besetzt. Wie Willy Brandt fand Tucholsky in Schweden ein sicheres Exil.</p>
<p>Das nahe Stockholm gelegene Schloss Gripsholm war wie bereits erwähnt Handlungsort einer seiner wenigen Erzählungen. Die Erzählung ist nicht politisch, sondern handelt von der Liebe. Tucholsky hat sich von April bis Oktober 1929 in Läggasta in der Nähe des Schlosses aufgehalten. Nach diesem Urlaub, den er mit Lisa Matthias verbrachte, trennte er sich von seiner Frau. Wovon die Erzählung handelt, kann man sich dann wohl vorstellen. Auch wenn er sich später im westschwedischen Göteborg ein Haus gesucht hat, gefiel ihm scheinbar die Gegend um Gripsholm besser. Zumindest ließ er sich auf dem Friedhof in Mariefred beerdigen.  Dort liegt er jetzt seit 75 Jahren.</p>
<p>PS: Das Schloss kann man übrigens von Stockholm aus im Zuge eines Tagesausflugs auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen und besichtigen.</p>
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		<title>Hämmern, Sägen, Pflastern: Schwedische Bauwut</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2010 19:48:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Bob der Baumeister muss in Schweden ein Nationalheld sein. Die Schweden lieben es, an ihren Häusern oder Ferienhütten rumzubasteln. Da wird gehämmert, gemalt, gepflastert oder die Regenrinne ausgewechselt. Zumindest im Sommer ist im schwedischen Fernsehen fast jeder zweiter Werbespot Werbung für einen Baumarkt oder &#8211; in Schweden auch möglich &#8211; ein Internetbaumarkt. Es ist nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bob der Baumeister muss in Schweden ein Nationalheld sein. Die Schweden lieben es, an ihren Häusern oder Ferienhütten rumzubasteln. Da wird gehämmert, gemalt, gepflastert oder die Regenrinne ausgewechselt. Zumindest im Sommer ist im schwedischen Fernsehen fast jeder zweiter Werbespot Werbung für einen Baumarkt oder &#8211; in Schweden auch möglich &#8211; ein Internetbaumarkt.</p>
<div id="attachment_1637" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/08/100_8822.jpg"><img class="size-medium wp-image-1637" title="Ein Haus entsteht" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/08/100_8822-300x225.jpg" alt="Ein Haus entsteht" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Ein Haus entsteht</p></div>
<p>Es ist nicht ungewöhnlich, wenn auf schwedischen Grundstücken ein Bagger oder sonstige Baufahrzeuge zu sehen sind. Merkwürdig ist nur, dass viele erst ihr Haus verschönern, dann aber den gesamten Bauschutt in ihrem Garten liegen lassen. Und das scheinbar nicht nur ein paar Tage, sondern eher mittelfristig. Die Grundstücke in Schweden sind außerhalb der Städte aber ja auch groß genug, so dass sie sich deshalb vielleicht gar nicht so sehr daran stören.</p>
<p>Aus deutscher Sicht sind mehrere Dinge auffällig: Zäune sind eher untypisch. Wenn es Zäune gibt, sind dies häufig Zäune mit diagonalen Holzstreben, die sehr ansehnlich sind. Wenig Verbreitung haben auch Garagen. Und das, obwohl es im Winter ja wesentlich kälter ist als in Deutschland, was nicht jedes Auto gerne hat. Geschlossene Garagen sieht man äußerst selten. Dafür sind Carpots weiter verbreitet. Vielleicht zählt das Auto in Schweden auch nicht so viel wie andere Gefährte. Die Motorboote haben in manchen Gärten immerhin Schuppen oder &#8211; auch nicht ungewöhnlich &#8211; eine Art Zelt als Unterstand. Wenn auf einem Grundstück mehrere Gebäude stehen, ist es aber wichtig, dass alle in derselben Farbe angestrichen sind.</p>
<p><span id="more-1629"></span></p>
<p>Für gewöhnlich sind die Häuser in Schweden vergleichsweise klein. Es ist zum Beispiel nicht ungewöhnlich, wenn die Kinder sich ein Zimmer teilen. Räume sind eher flach und -wie jeder weiß  &#8211; ist Holz das dominierende Baumaterial. In Regionen mit einen überproportional vielen Neubauten sieht man jedoch, dass neuerdings auch viele verputzte oder verklinkerte Häuser gebaut werden. Und zweigeschossige Häuser, bei denen nicht länger eine Etage im Keller angesiedelt ist.</p>
<p>Wie in vielen Ländern herrscht auch in Schweden Landflucht. Im Vergleich zu Deutschland gibt es in Schweden jedoch nicht so viele Großstädte. Aus diesen Gründen wachsen Göteborg und Stockholm stark und kontinuierlich in die Breite. Wenn man in die Außenbezirke Stockholms fährt, sieht man, dass die meisten Häuser nicht älter als 50 Jahre sind. Und es wird immer weiter gebaut. Aus diesem Grund sehen manche Vororte auch sehr konstruiert und künstlich aus. Die Orte sind eventuell zu schnell gewachsen. Es gibt keine Mischung von Wohnen und Geschäften, sondern auf einem Fleck Geschäfte und in anderen Ecken nur Wohnblöcke. Das mag praktisch sein, weil man für Besorgungen nur einen Ort anfährt, aber schön ist es nicht.</p>
<p>Jetzt geht der Sommer langsam zu Ende. Da müssen die schwedischen Baumeister sich beeilen, um noch vor dem kalten Winter alles erledigt zu haben. Danach muss sich der Handwerker den Einrichtungen im Haus widmen. Und auf den nächsten Frühling warten&#8230;</p>
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		<title>Tyska Kyrkan &#8211; Gamla Stans Spitze</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Jun 2010 19:55:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stockholm]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
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		<description><![CDATA[Gamla Stan ist die Altstadt Stockholms. Im Sommer streifen Tausende von Touristen täglich durch die schmalen Gassen und etlichen Butiken und Geschäfte vor Ort. Was viele dabei vermutlich nicht wissen: Das höchste Gebäude der Altstadt ist mit 96 Metern wie so oft eine Kirche. Allerdings keine originär schwedische, sondern die Tyska Kyrka, die deutsche Kirche. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1562" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/06/764px-Tyska_kyrkan_2009x.jpg"><img class="size-medium wp-image-1562" title="Tyska Kyrkan, Foto: Holger Ellgaard" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/06/764px-Tyska_kyrkan_2009x-300x235.jpg" alt="Tyska Kyrkan, Foto: Holger Ellgaard" width="300" height="235" /></a><p class="wp-caption-text">Tyska Kyrkan, Foto: Holger Ellgaard</p></div>
<p>Gamla Stan ist die Altstadt Stockholms. Im Sommer streifen Tausende von Touristen täglich durch die schmalen Gassen und etlichen Butiken und Geschäfte vor Ort. Was viele dabei vermutlich nicht wissen: Das höchste Gebäude der Altstadt ist mit 96 Metern wie so oft eine Kirche. Allerdings keine originär schwedische, sondern die Tyska Kyrka, die deutsche Kirche. In der auch deutsche Gottesdienste abgehalten werden. Das bedarf einer Erklärung:</p>
<p>Das Kirchengebäude entstand um 1570 in den Hochzeiten der Hanse. Die Hanse war damals eine der wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Vereinigungen. Ihr Einflussgebiet erstreckte sich damals auch über Schweden. Auch wenn im schwedischen Raum eher Handel mit der Stadt Ystad auf Gotland erfolgte, war das aufstrebende Stockholm nicht zu vernachlässigen. So gründeten deutsche Kaufmänner mit Erlaubnis des damaligen schwedischen Königs Johan III. ein Gildehaus im damaligen Zentrum Stockholms. Doch noch im 16. Jahrhundert erfolgte der Umbau zur Kirche. Hier zog die 1571 gegründete St. Gertruds Versammlung ein. Im 17. Jahrhundert wurden noch einmal Baumaßnahmen ergriffen, um die Kirche zu vergrößern. Ein Großbrand in der schwedischen Hauptstadt erforderte den Neuaufbau des Turmes. Das war 1886 in Zeiten als Deutschland sich als Großmacht aufspielen wollte. Prompt wurde der Turm 96 Meter hoch und überragte alle angrenzenden schwedischen Gebäude.</p>
<p><span id="more-1556"></span></p>
<p>Noch heute gibt es evangelischen deutschsprachigen Gottesdienst in der Kirche. Gedacht für deutschsprachige Stockholmer und die älteste deutsche Auslandsgemeinde. Der jeweilige Pfarrer oder die jeweilige Pfarrerin werden aus Deutschland für einen Zeitraum von sechs Jahren entsandt. Trotzdem gehört das Gebäude und die Versammlung zur schwedischen Kirche. Geboten wird hier das übliche Kirchenprogramm aus Taufe, Hochzeit, Beerdigung und Gesprächskreisen. Allerdings darf nicht jeder dieser Gemeinde beitreten. Die 2000 derzeitigen Mitglieder müssen aus einem deutschsprachigen Land kommen oder wenigstens Vorfahren haben, die das von sich behaupten können.</p>
<p>Über die Aktivitäten innerhalb des Gebäudes möge jeder selbst urteilen. Für Stockholm gehört aber die in seinem Herzen gelegene Kirche zu den Wahrzeichen der Stadt.</p>
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		<title>Der schwedische Guido Knopp: Herman Lindqvist</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 20:29:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit mehreren Jahren werden in Deutschland die umstrittenen Fernsehgebühren verschleudert, um eine History-Show nach der nächsten zu produzieren. Es fing harmlos an mit Dokumentationen über die jüngste deutsche Vergangenheit und endete in absurden pseudowissenschaftlichen Shows à la &#8220;Hitlers Schäferhunde&#8221;. Völlig sinnfrei dabei auch der Trend, historische Szenen nachzuspielen. Das sieht dann aus wie in jedem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit mehreren Jahren werden in Deutschland die umstrittenen Fernsehgebühren verschleudert, um eine History-Show nach der nächsten zu produzieren. Es fing harmlos an mit Dokumentationen über die jüngste deutsche Vergangenheit und endete in absurden pseudowissenschaftlichen Shows à la &#8220;Hitlers Schäferhunde&#8221;. Völlig sinnfrei dabei auch der Trend, historische Szenen nachzuspielen. Das sieht dann aus wie in jedem gewöhnlichen Hollywoodfilm, in dem mit Computeranimationen versucht wird, Authentizität zu schaffen (man bemerke die Widersprüchlichkeit). In Deutschland steht ein Mann als Synonym für populärwissenschaftliche Geschichtsdokumentationen: Guido Knopp. Er hat geschafft, was nur wenigen Fernsehwissenschaftlern gelingt: Er ist vielen Deutschen bekannt. Die Kehrseite der Medaille ist, dass er in den Feuilletons und der öffentlichen Diskussion oft als der Buhmann schlechthin dargestellt wird, weil er vereinfacht und/oder verkürzt oder gar falsch darstellt.</p>
<div id="attachment_1491" class="wp-caption alignleft" style="width: 220px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/05/Herman_Lindqvist_wikipedia.jpg"><img class="size-medium wp-image-1491 " title="Herman Lindqvist 2005" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/05/Herman_Lindqvist_wikipedia-300x256.jpg" alt="Herman Lindqvist 2005" width="210" height="179" /></a><p class="wp-caption-text">Herman Lindqvist 2005</p></div>
<p>Mittlerweile hat Knopp sicher so viel Geld verdient, dass ihm die gelegentlichen Sticheleien der Schönschreiberlinge sicher nicht mehr stören. Und er steht nicht alleine da. Auch in Schweden gibt es einen Mann, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Geschichte seines und anderer Länder zu erkunden und einer breiten Öffentlichkeit zu erklären. Sicherlich kein schlechter Gedanke, den Herman Lindqvist da hatte. Und in Schweden ist er ebenso bekannt wie Guido Knopp hierzulande.</p>
<p>Herman Lindqvist ist 1943 geboren und interessiert sich wie so viele in die Jahre kommende Männer stark für Geschichte. In jungen Jahren arbeitete er zunächst als Redakteur im Aftonbladet, ging dann als Korrespondent nach Beirut, Hongkong, Prag und Paris. Frankreich ist er bis heute treu geblieben. Bücher hat er seit den 80er Jahren regelmäßig geschrieben. Zunächst über Land und Leute in seinen jeweiligen Gastländern. In den 90er Jahren begann seine TV-Serie Historien om Sverige (Die Geschichte Schwedens), welche später auch als Buch erschien und in Schweden sehr erfolgreich ist.</p>
<p><span id="more-1487"></span></p>
<p>Eines dieser dicken Bücher führe ich mir gerade zu Gemüte: Drömmar och verlighet (Träume und Wirklichkeit) über den Anfang des 20. Jahrhunderts. Relativ schnell merkt man, dass Herr Lindqvist eine gewisse Faszination für alles Royale nicht verhehlen kann. Ein Blick auf seine Buchpublikationen bestätigt diesen Drang, große historische Persönlichkeiten noch größer machen zu wollen, sei es nun Carl Gustaf, Napoleon, Madame Pompadour oder 2009 erschienen Königin Victoria.</p>
<p>Da es sich um ein populärwissenschaftliches Buch handelt, lässt es sich gut lesen. Die schwedische Geschichte wird weitestgehend chronologisch und ohne überflüssige Abschweifungen erzählt. Und neue Erkenntnisse gewinnt man eine ganze  Menge. So hatte ich noch nicht davon gehört, dass Deutschland 1918 kurzzeitig Helsinki besetzt hat. Und es war kurzzeitig im Gespräch, in Finnland die Monarchie einzuführen. Sowieso war der Finnland-Krieg 1918-1920 für Schweden wichtig. Auch im braven Schweden keimte die Idee des Sozialismus auf. Laut Lindqvist war Schweden nie so nah an einer Revolution wie in diesen Zeiten. Der Unmut in der Arbeiterschaft war genauso groß wie in anderen europäischen Ländern. Zu einer Revolution ist es jedoch nicht gekommen, dafür begann die Hochzeit der Sozialdemokratie.</p>
<p>Wie heute lebte auch 1918 eine Deutsche im schwedischen Königshaus. Victoria von Baden war von 1907 bis 1930 schwedische Königin und Nichte vom deutschen Kaiser Wilhelm. Verheiratet war sie mit Gustaf V. Nicht ganz ohne Berechnung des schwedischen Schwiegervaters, der eine stärkere Kooperation mit dem mächtigen Deutschland wollte. Victoria war Zeit ihres Lebens kränklich und streng konservativ. Wer sich mehr für ihr Leben interessiert, findet bei Wikipedia Schweden einen ausführlichen Artikel über die Königin.</p>
<p>1918 war in Deutschland zum Glück Schluss mit den Königen. Auch die engsten Vertrauten der Adeligen mussten sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Kriegstreiber General Ludendorff setzte sich nach der Novemberrevolution zwischenzeitlich nach Schweden ab.  Hier wohnte er auf einem Hof in Hässleholm in Skåne und schrieb im Eiltempo seine Memoiren. Wenige Zeit später wurde er angeblich von der schwedischen Regierung des Landes verwiesen. Schon kurze Zeit später versuchte er gemeinsam mit Hilter, die Reichsregierung zu stürzen&#8230;</p>
<p>Da wir in Deutschland im Geschichtsunterricht so viel Zeit mit Kriegen verbringen müssen, werden soziale Vorkommnisse der Zeit öfter Mal vernachlässigt. Bisher völlig an mir vorbeigegangen ist die so genannte Spanische Krankheit der Zeit um 1918. Diese soll ca. 20 Millionen Menschen weltweit das Leben gekostet haben. In Schweden waren es immerhin 27000 Tote. Scheinbar war die Ursache eine Art Schweinegrippe, welche zu Lungenentzündung führte und vermutlich von amerikanischen Soldaten nach Europa gebracht worden ist.</p>
<p>Interessant ist das Buch auf jeden Fall. Für den Hausgebrauch reichen die historischen Fakten vermutlich auch aus. Wer sich differenzierter mit der Materie auseinander setzen möchte, kann sich ja immer noch ein Werk eines echten Historikers zu Gemüte führen.</p>
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		<title>Neue Zahlungsmittel in Schweden</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Apr 2010 18:43:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Schweden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Schweden wollen den Euro nicht. Und das scheinbar auch mittelfristig nicht, denn im Jahr 2008 wurde von Seiten der schwedischen Politiker eine Kommission eingesetzt, die das schwedische Geldsystem überprüfen soll. Nicht etwa die Abläufe, sondern ganz konkret die Münzen und Scheine. So manch Politiker scheint aufgegangen sein, was ausländischen Besuchern in Schweden nach zwei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Schweden wollen den Euro nicht. Und das scheinbar auch mittelfristig nicht, denn im Jahr 2008 wurde von Seiten der schwedischen Politiker eine Kommission eingesetzt, die das schwedische Geldsystem überprüfen soll. Nicht etwa die Abläufe, sondern ganz konkret die Münzen und Scheine. So manch Politiker scheint aufgegangen sein, was ausländischen Besuchern in Schweden nach zwei Tagen auffällt: Das schwedische Geld ist unpraktisch.</p>
<div id="attachment_1459" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/04/geldmuenzen_add1sun.jpg"><img class="size-medium wp-image-1459 " title="Münzsammlung (Foto: add1sun)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/04/geldmuenzen_add1sun-300x225.jpg" alt="Münzsammlung (Foto: add1sun)" width="240" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Münzsammlung (Foto: add1sun)</p></div>
<p>Holt man sich Geld am Automaten, spuckt dieser meist 500-Kronen-Scheine aus. Wenn man damit im Geschäft bezahlt, wird der Schein meist schon mal gründlich geprüft. Dagegen ist ja nichts zu sagen. Passiert aber in Deutschland mit 50 Euro-Scheinen nach meiner Erfahrung nicht so oft. Bezahlt man also mit diesem Schein, bekommt man als Wechselgeld bis zu vier 100-Kronen-Scheine wieder. Als Konsequenz hat man viele Scheine im Portemonnaie und verliert schnell die Übersicht, wie viel Geld man aktuell besitzt.</p>
<p>Ähnlich läuft es beim Bezahlen kleinerer Summen. Meist bekommt man eine Menge 1-Krone-Münzen oder noch schlimmer 50-Öre-Münzen wieder. Ich glaube, es gibt fast kein Produkt in Schweden, das 50 Öre kostet. In Supermärkten wird eh auf- bzw. abgerundet, damit man auf eine Summe kommt, die mit dem schwedischen Münzsystem kompatibel ist. Es gibt nämlich nur 50-Öre-Stücke, keine 10 oder 5-Öre-Münzen.</p>
<p><span id="more-1457"></span></p>
<p>Im letzten Jahr wurde zunächst der sehr vernünftige Entschluss gefasst, die 50-Öre-Münze abzuschaffen. Bis zum 30.9.2010 kann man noch mit ihr bezahlen, danach wird sie schrittweise aus dem Verkehr gezogen. Das verspricht schon mal weniger Ballast in der Geldbörse. Andererseits ist das 50-Öre-Stück vom Charakter sehr dicht an Spielgeld, da es viel leichter ist als die anderen Münzen. Außer den ewigen Nostalgikern wird der Münze wohl niemand nachtrauern. Außerdem gibt es Ersatz: Vermutlich wird im Gegenzug eine 2-Kronen-Münze eingeführt.</p>
<p>Aktuell wird diskutiert, den 20-Kronen-Schein durch eine Münze zu ersetzen. Da würde er dasselbe Schicksal erleiden wie der 10-Kronen-Schein, der 1991 durch eine Münze ersetzt wurde.<br />
Interessant ist das Motiv dieser Änderung: Es soll nämlich unter anderem aus Umweltschutzgründen umgesetzt werden. Über die Frage, wie man bei Geld etwas Gutes für die Umwelt tun kann, muss man eine Weile nachdenken. Die Logik ist laut Reichsbank, dass die 20-Kronen-Scheine meist schneller verschleißen als Münzen. Da muss die Notenbank also öfter mal die Druckerpressen anschmeißen, was Energie und Papier kostet. Zu klären wäre, ob die Reichsbank auch bedacht hat, dass der Einsatz von schwereren Münzen langfristig auf die Benzinverbräuche Auswirkungen haben kann.</p>
<p>Aber Form und Material des jetzigen Geldes werden eh neu bewertet und vermutlich grundlegend geändert. Derzeit gibt es vergleichsweise wenige Münzen: 50 Öre, 1 Krone, 5 Kronen, 10 Kronen. Scheine wiederum existieren mit den Werten 20, 50, 100, 500 und 1000 Kronen. Überlegungen gibt es zudem über die Einführung eines 200-Kronen-Scheines. Für alle Scheine ist eine Erhöhung des Sicherheitsstandards vorgesehen, damit diese nicht leicht zu fälschen sind.</p>
<p>Jetzt die schwierige Frage:  Was ist aktuell auf den Geldscheinen? Kann ich ehrlich gesagt schon für unser europäisches Geld nicht ad hoc beantworten. Ein Blick in die Wikipedia verrät, dass die Euro-Scheine in allen Ländern dieselben sind und nicht Personen abbilden, sondern Baustile. Es werden fiktive Brücken und Gebäude abgebildet, die aus unterschiedlichen kunsthistorischen Epochen stammen. Logik: Europa hat gemeinsame Wurzeln, also ist es auch eine Einheit.</p>
<p>Beim schwedischen Geld ist vermutlich der 20-Kronen-Schein mit der Schriftstellerin Selma Lagerlöff am präsentesten. Umgangssprachlich wird der Schein auch „Selman“ genannt und ist in lila gehalten. Den 50-Kronen-Schein ziert auch eine Frau: Die Opernsängerin Jenny Lind (1820-1887), welche in ihrer Karriere verschiedene Länder bereiste und in England starb.</p>
<p>Die großen Scheine sind dann selbstverständlich den Männern vorbehalten. Da ist auch in Schweden Schluss mit der Gleichberechtigung. Auf dem 100-Kronen-Schein ist der Naturforscher, Botaniker, Arzt und Pädagoge Carl von Linné (1707-1778)  zu sehen.<br />
Weniger bekannt ist Christopher Polhem (1661-1751), der den 500-Kronen-Schein ziert. Der Name lässt schon vermuten, dass er ursprünglich nicht aus Schweden kam. Ein deutscher Kaufmann war Polhem, der sich zunächst in Visby niedergelassen hat. Später studierter er Physik, Mathematik und Ingenieurswesen in Uppsala und erfand bestimmte Techniken, darunter eine Schleuse und eine Uhr, die Zeit, Datum und Sternzeichen anzeigen kann. Den 500-Kronen-Schein teilt er sich mit König Gustav XI.</p>
<p>Die 1000 Kronen-Note ist ebenfalls für einen Blaublüter reserviert: Gustav Vasa wird hier abgebildet. Er hat in Schweden die Erbmonarchie mit Bürokratie und Zentralapparat eingeführt und gilt damit mehr oder weniger als Begründer des schwedischen Staates. Entgegen manch anderen europäischen Monarchien geht der amtierende König also leer aus. Bei seiner Beliebtheit würde es aber nicht sonderlich überraschen, wenn er bei den anstehenden Reformen Berücksichtigung findet. Diese werden bis 2015 abgeschlossen. Bis dahin gibt es ja noch zwei Hochzeiten und bestimmt auch Nachwuchs im Königshaus&#8230;</p>
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		<title>Volvo wird chinesisch</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jan 2010 18:41:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schweden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Volvo]]></category>

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		<description><![CDATA[Kurz vor Weihnachten kamen Neuigkeiten über die Nachrichtenticker, welche in Schweden sicher einige Menschen verunsichert haben. Teile des Traditionsunternehmens Volvo (Latein für: Ich rolle) werden an eine chinesische Firma verkauft. Nachdem 1999 Volvo seine Autoabteilung an Ford verkauft hatte, stößt Ford seine Volvoabteilung nun ab. Neuer Besitzer ist der privat betriebene Konzern Geely, der größte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kurz vor Weihnachten kamen Neuigkeiten über die Nachrichtenticker, welche in Schweden sicher einige Menschen verunsichert haben. Teile des Traditionsunternehmens Volvo (Latein für: Ich rolle) werden an eine chinesische Firma verkauft. Nachdem 1999 Volvo seine Autoabteilung an Ford verkauft hatte, stößt Ford seine Volvoabteilung nun ab. Neuer Besitzer ist der privat betriebene Konzern Geely, der größte Auto- und Motorradkonzern des Landes der aufgehenden Sonne. Die Chinesen möchten durch den Kauf von der europäischen Technologie profitieren. Das eine Milliarde Einwohner umfassende Land hat schon des Öfteren die Taktik angewandt, Technologien nicht selbst zu entwickeln, sondern einzukaufen. Böse Zungen behaupten auch, dass einige chinesische Firmen durch Betriebsspionage in anderen Ländern an die neueste Technik gelangen.</p>
<div id="attachment_1347" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/01/volvo_joe_shlabotnik.jpg"><img class="size-medium wp-image-1347 " title="Heck des sexy Volvos (Foto: Joe Shlabotnik)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/01/volvo_joe_shlabotnik-300x200.jpg" alt="Heck des sexy Volvos (Foto: Joe Shlabotnik)" width="240" height="160" /></a><p class="wp-caption-text">Heck des sexy Volvos (Foto: Joe Shlabotnik)</p></div>
<p>Volvo war für die Chinesen im Grunde ein Schnäppchen. Etwa 1,5 bis 2 Milliarden Euro wird Geely nach Schätzungen schwedischer Medien an Ford überweisen. Ford hatte 1999 noch etwa 6,5 Milliarden Euro ausgegeben. Ford benötigt allerdings dringend Kapital, da der Konzern stark von der Wirtschaftskrise getroffen wurde. 2008 hatte Volvo allein 1,3 Milliarden Verlust gemacht, deshalb entschloss sich Ford für den Verkauf. Ford hat im Gegensatz zu seinen amerikanischen Konkurrenten General Motors und Chrysler keine staatliche Hilfe aufgrund der Wirtschaftskrise bezogen. Der Verkauf wird deshalb zum Schuldenabbau genutzt. Abgeschlossen werden soll der Deal im zweiten Quartal des Jahres 2010.</p>
<p>350.000 Autos hat Volvo 2008 verkaufen können. Der Konkurrenzkampf in Europa ist allerdings stark. Weltweit werden zu viele Autos gebaut. Schätzungen gehen von mehreren Millionen Autos Überschuss pro Jahr aus. Und nicht jedes Land reagiert deshalb mit der Einführung einer staatlich subventionierten Abwrackprämie. Für die schwedische Autobranche war 2009 ein schweres Jahr: Saab musste verkauft werden und wird eventuell gar keine Autos mehr produzieren. Dann gibt es 17.000 Beschäftigte bei der Personenwagensektion Volvos, die nun hoffen, dass die Chinesen sich nicht nur auf die Technologie stürzen, sondern auch weiter in Schweden produzieren wollen.</p>
<p><span id="more-1341"></span></p>
<p>Für viele Schweden ist der Verkauf an das chinesische Unternehmen ein Schock. Ein Land mit so guten Arbeitsbedingungen wie Schweden horcht traditionell besonders auf, wenn von den schlechten Arbeitsbedingungen in China berichtet wird. Die schwedische Ingenieursgewerkschaft wirft Geely laut einem Bericht der taz zudem undurchsichtige Besitzverhältnisse und das zeitweilige illegale Kopieren ausländischer Technik vor. Ob die Produktion wirklich in Schweden bleiben wird, wenn die Lohnkosten in China geschätzt um mindestens 75% niedriger sind, ist zweifelhaft. Die Chinesen wollen aber nicht nur auf dem chinesischen Markt verkaufen, sondern auch in Europa. Und eine schwedische Familie kauft sicher lieber einen Volvo, wenn dieser in Schweden produziert wird, als wenn er aus China importiert wird. Dann ist jede andere Automarke genauso recht. Außerdem setzen die Schweden auf Sicherheit, dieses Image würde durch eine Verlagerung der Produktion nach China beschädigt.</p>
<p>Schweden war eines der wenigen nicht-sozialistischen Länder, in denen fast alle Menschen dasselbe Auto fahren. Der Volvo genießt seit Jahrzehnten hohe Popularität und erfüllte die Ansprüche schwedischer Autofahrer nach viel Raum bei gleichzeitig hoher Sicherheit. 1927 wurde das Unternehmen auf der Halbinsel Hisingen kurz vor Göteborg gegründet. Damals als Tochterunternehmen der Svenska Kullagerfabriken, einer Kugellagerfabrik<em>. </em>Heutiger Firmenhauptsitz ist der Göteborger Vorort Torslanda. Parallel zu der Autofabrikation wurden auch die ersten Lastwagen produziert. Diese hatten zunächst die höheren Verkaufszahlen im In- und Ausland und begründeten den Erfolg der Marke Volvo. In den folgenden Jahren wurde die Produktpalette erweitert um Schiffs- und Flugmotoren, Busse und Gefährte und Motorteile für Industrie und Rüstung.</p>
<p>Zu einem internationalen Erfolgskonzern wurde Volvo nach dem Zweiten Weltkrieg. Sowohl der Verkauf als auch die Produktion wurden internationaler. Der rührige Pehr G. Gyllenhammar erweiterte 1971-1990  während seiner Zeit als Leiter der Produktion die Produktpalette Volvos und stieß die Zusammenarbeit mit anderen Automobilfirmen darunter Renault an. Die Zusammenlegung mit Saab-Scania 1977 scheiterte allerdings. Der Lastwagenmarkt schien für Volvo der lukrativere Markt zu sein als der Automarkt. 1999 verkaufte Volvo deshalb seine Personenwagenabteilung an Ford. Dass der amerikanische Konzern nur 10 Jahre später gezwungen sein würde, an die Chinesen weiter zu verkaufen, hat damals vermutlich niemand erwartet.</p>
<p>Für einige Regionen Schwedens ist die Fabrikation von Volvoprodukten die stärkste Wirtschaftskraft und der größte Arbeitgeber zugleich. Die Produktionsstätten sind im ganzen Land verteilt: Die noch schwedische  Volvo Group Sverige hat Standorte in Köping im Västmanland, Skövde zwischen Vättern und Vänern gelegen, Lundby und Tuve in der Nähe von Göteborg und Ume<span>å. Die Personenwagen werden in Torslanda bei Göteborg und </span>Uddevalla im Västra Götalands Län hergestellt. Bleibt zu hoffen, dass diese Standorte auch in Zukunft erhalten werden können.</p>
<p>Beim Verkauf an Ford wurde gleichzeitig ein neues Unternehmen gegründet, welches die Marke Volvo schützen und marketingtechnisch verkaufen soll. Mitarbeiter der alten und der neuen Volvofirma arbeiten hier zusammen, da man nun gemeinsam die Marke Volvo nutzt und stärken möchte. Natürlich gibt es in Göteborg auch ein Volvomuseum, welches die Geschichte der beiden Firmen dokumentiert. Der Name Volvo soll angeblich auch nach dem Verkauf an Geely als Automarke erhalten bleiben.</p>
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		<title>Nordischer Nachbar Grönland</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 07:04:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Schweden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Skandinavien]]></category>
		<category><![CDATA[Wikinger]]></category>

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		<description><![CDATA[Hoch im Norden unserer Erde liegt ein Gebiet, das in der Berichterstattung häufig vernachlässigt wird. Und wenn in den Medien etwas über Grönland zu lesen ist, so höchstwahrscheinlich in Zusammenhang mit einer wagemutigen Person, die die riesige Inseln zu überqueren trachtet oder beim Versuch gestorben ist. Aus deutscher Sicht spielt Grönland politisch keine Rolle. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1174" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/grönland_rita_willaert.jpg"><img class="size-medium wp-image-1174 " title="Siedlung in Grönland (Foto: Rita Willaert)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/grönland_rita_willaert-300x199.jpg" alt="Siedlung in Grönland (Foto: Rita Willaert)" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Siedlung in Grönland (Foto: Rita Willaert)</p></div>
<p>Hoch im Norden unserer Erde liegt ein Gebiet, das in der Berichterstattung häufig vernachlässigt wird. Und wenn in den Medien etwas über Grönland zu lesen ist, so höchstwahrscheinlich in Zusammenhang mit einer wagemutigen Person, die die riesige Inseln zu überqueren trachtet oder beim Versuch gestorben ist. Aus deutscher Sicht spielt Grönland politisch keine Rolle. Die Aufmerksamkeit hierzulande ist verschwindend gering. Etwas anders ist die Lage in Schweden. Grönland ist als autonome Region des Königreichs Dänemark Mitglied im Nordischen Rat. Zwar sind nur zwei der knapp 100 Mitglieder des Nordischen Rats aus Grönland, aber seine Stimme findet dort mehr Gehör als sonstwo auf der Welt. Für die Länder Nordeuropas ist der Nordische Rat eine wichtige Versammlung, in die Vertreter der nationalen Parlamente entsandt werden. Zwar hat der Status des Rates durch die zunehmende Bedeutung der Europäischen Union vermutlich etwas nachgelassen, trotzdem sollte die gemeinsame Identifikation als &#8220;nordisch&#8221; nicht unterschätzt werden. Vielen Skandinaviern ist der zwischenstaatliche Austausch sicher lieber als die Abgabe von staatlichen Kompetenzen an eine geographisch und mental weit entfernte Europäische Union.</p>
<p>Grönland ist gerade kein Mitglied der Europäischen Union. De facto ist es der erste Staat, der aus der Europäischen Union ausgetreten ist. Zwar stimmte eine Mehrheit der Grönländer bereits 1972 gegen den Beitritt Dänemarks zur EU, sie wurden jedoch überstimmt. 10 Jahre später hatten die Grönländer eine Teilautonomie und votierten erneut gegen eine EU-Mitgliedschaft. Zum 1. Februar 1985 wurde der Austritt der autonomen Region amtlich. Ein bisher einmaliger Schritt in der Geschichte der Europäischen Union.</p>
<p><span id="more-1166"></span></p>
<p>Die Geschichte der riesigen Insel im Nordatlantik verlief spannend. Geographisch gesehen gehört das Eiland zu Nordamerika. Im Mittelalter waren es jedoch norwegische Wikinger, die die Insel 875 entdeckten. Im 10. Jahrhundert siedelten die ersten Norweger auf dem Territorium, darunter Erik der Rote. Ab dem 14. Jahrhundert sahen die Norweger es als ihr Territorium an. Zwischen 1380 und 1814 gab es einen Staatenverbund zwischen Dänemark und Norwegen. 1721 heimste sich Dänemark die Arktikinsel als Kolonie ein. Nach Auflösung des Staatenbundes fielen sowohl Grönland als auch die Färöer-Inseln an das Königreich Dänemark.</p>
<p>Die Bestrebungen nach Unabhängigkeit währen natürlich schon eine Weile. Seit 1953 ist Grönland offiziell keine Kolonie mehr von Dänemark. Ab 1979 genehmigte die dänische Regierung schrittweise mehr Befugnisse für die etwa 57.000 Grönländer. Im Sommer 2009 erfolgte ein weiterer Meilenstein in der Unabhängigkeitsbestrebung. Dänemark ist jetzt nur noch für die Außen- und Verteidigungspolitik der zu 84% aus Eis bestehenden Insel zuständig. Ihre Rohstoffe (Öl, Gas, Gold, Diamanten) dürfen die Grönländer nun selbst verwalten. Außerdem wird Grönländisch offizielle Sprache des Landes. Bei einem Verhältnis von 50.000 Inuit zu 7.000 Dänen ein überfälliger Schritt. Eine Volksabstimmung im November letzten Jahres kam zu dem Ergebnis, dass sich 75% der Grönländer mehr Autonomie oder sogar die Eigenständigkeit wünschen. Letzteres könnten sie zum 300. Jahrestag der dänischen Kolonisation im Jahr 2021 erlangen.</p>
<div id="attachment_1175" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/grönländischer_junge_rita_waellert.jpg"><img class="size-medium wp-image-1175 " title="Grönländischer Junge (Foto: Rita Waellert)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/grönländischer_junge_rita_waellert-199x300.jpg" alt="Grönländischer Junge (Foto: Rita Waellert)" width="199" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Grönländischer Junge (Foto: Rita Waellert)</p></div>
<p>Das Problem der Grönländer ist, dass sie relativ arm sind. Bisher bekamen die wenigen Einwohner eine Summe von ca. 430 Millionen Euro jährlich als Subvention. Außerdem grassiert eine hohe Arbeitslosenquote und der Alkoholismus. An die Rohstoffe ist in einem Land, das zu großen Teilen aus Eis besteht, natürlich nur schwer heranzukommen. Durch die internationale Finanzkrise scheuen viele Geldgeber vor Investitionen zum Rohstoffabbau zurück. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass sich in der Hauptstadt Nuuk nicht viele gute Führungspersönlichkeiten tummeln. Innerhalb des Parlaments und der Regierung kommt es regelmäßig zu Hauen und Stechen und Fehleinschätzungen der gesellschaftlichen Lage.</p>
<p>Das Streben nach Unabhängigkeit ging vor allem von den älteren Grönländern aus. Die Jüngeren sehen auch Vorteile in einer engen Kooperation mit Dänemark. Es bleibt somit abzuwarten, ob der letzte Schritt für ein eigenständiges Grönland in den nächsten Jahrzehnten vollzogen wird.</p>
<p>Weitere Informationen zu Grönland bei <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,631641,00.html">Spiegel-Online.</a></p>
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		<title>Kleider machen Leute &#8211; H&amp;M</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 07:01:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schweden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[Man geht durch die Stadt und trifft drei Personen, die exakt dasselbe T-Shirt tragen wie man selbst. Ein klarer Fall: Das T-Shirt ist von H&#38;M.  Die Läden sind überall verteilt und die Massen strömen hin. Zielgruppe sind vor allem Teenies ab 12.  Ab Mitte 20 nimmt die Anziehungrkraft zumeist ab, wobei die Kette natürlich Maßnahmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man geht durch die Stadt und trifft drei Personen, die exakt dasselbe T-Shirt tragen wie man selbst. Ein klarer Fall: Das T-Shirt ist von H&amp;M.  Die Läden sind überall verteilt und die Massen strömen hin. Zielgruppe sind vor allem Teenies ab 12.  Ab  Mitte 20 nimmt die Anziehungrkraft zumeist ab, wobei die Kette natürlich Maßnahmen ergreift, um auch diese Klientel weiter zu bedienen. Jetzt könnte man natürlich lange über die Probleme von so preisgünstiger Kleidung schreiben, die alle Teenies antreibt, mehr und mehr zu kaufen, während die Näherin in Bangladesh kaum von ihrem Lohn leben kann. Soll aber hier nicht Thema sein. Vielmehr geht es um einen der größten schwedischen Exportschlager.</p>
<div id="attachment_1155" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/09/h-und-m-remon-rijper.jpg"><img class="size-medium wp-image-1155 " title="Foto: Remon Rijper" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/09/h-und-m-remon-rijper-300x199.jpg" alt="Foto: Remon Rijper" width="240" height="159" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Remon Rijper</p></div>
<p>H&amp;M ist ein schwedisches Unternehmen mit etwa 1800 Butiken in 34 Ländern. Alle diese Länder sind auf der Nordhalbkugel der Erde, somit ist durchaus noch Wachstumpotential gegeben: Südamerika, Afrika und Australien sind bisher nicht erschlossen. 73.000 Mitarbeiterinnen beschäftigt die Bekleidungskette. Wie im Einzelhandel so ist auch in dieser Branche zu beobachten, dass mehr und mehr Männer in den Geschäften arbeiten. Natürlich auch ein gutes Marketingkonzept, auf die Anziehungskraft hübscher Verkäufer zu setzen.</p>
<p>Die Zentrale von H&amp;M liegt in Stockholm. Gefühlt gibt es hier alle 200 Meter eine H&amp;M-Filiale. Das erste Geschäft entstand 1947 allerdings in der kleinen Stadt Västerås 100 km nordwestlich von Stockholm. Der Gründer hieß Erling Persson, gerade 30 Jahre alt. Seinem Geschäft gab er den Namen &#8220;Hennes&#8221;  (übersetzt: ihr/s) und verkaufte nur Damenkleider. 20 Jahre später kaufte Persson das Unternehmen Mauritz Widforss, welches Herren- und Jagdbekleidung im Sortiment hatte. So entstand Hennes &amp; Mauritz, heute ein Konzern mit jährlich 9,6 Milliarden Euro Umsatz.</p>
<p><span id="more-1148"></span></p>
<p>Mittlerweile ist H&amp;M an der Börse notiert, mit Stefan Persson ist aber noch ein Familienmitglied Aufsichtsratsvorsitzender und Inhaber von 31% der Anteile. Stefan Persson ist nach <a href="http://www.mikado-82.de/tag/ikea/">Ingvar Kamprad</a> (IKEA) somit auch der zweitreichste Schwede mit einem geschätzten Vermögen von 14,5 Milliarden Dollar. Nur dass er immer noch in Stockholm lebt. Auch seine Geschwister sind in der Konzernspitze vertreten.</p>
<p>Den größten Erfolg fährt die hippe Kette heutzutage in Deutschland, Großbritannien und Schweden ein. Auch den Schritt in den Online-Verkauf hat die Kette dabei gewagt. Das Unternehmen besitzt keine eigenen Fabriken, sondern kauft seine Ware von etwa 800 Lieferanten. Das Design wird zum größten Teil in Stockholm entwickelt. Das verwundert nicht, da die Schweden generell als sehr modebewusst gelten und die Trends gefühlt auch immer ein bis eineinhalb Jahre vorher im Dreikronenland sind als in Deutschland. Wobei man nicht bei jeden Trend glücklich ist, dass er es bis in unsere Gefilden geschafft hat&#8230;</p>
<p>Man kann über H&amp;M meinen, was man will. Unumstritten ist die Tatsache, dass das schwedische Unternehmen bei den Jugendlichen Europas zu den Marktführern zählt, Trends bestimmt und ein ähnlich hohes Ansehen genießt  wie Coca Cola.</p>
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