Willy Brandt in Stockholm

Freitag, 25. September 2009

In der dunkelsten Phase des 20. Jahrhunderts fand ein junger sozialistischer Publizist Unterschlupf in Norwegen und Schweden. 26 Jahre nach der Emigration in Richtung Skandinavien wurde Herbert Frahm deutscher Bundeskanzler, der nicht nur durch seinen berühmten Kniefall in Warschau Geschichte schrieb. In Hammarbyhöjden, im Südteil Stockholms, lebte Herbert Frahm von Sommer 1940 bis zum Ende des Krieges. Herbert Frahm trug u.a. den Decknamen Willy Brandt, den er ab 1947 als seinen richtigen Namen nutzte.

Brandt in der SPD-Zentrale (Foto: Stefg)

Brandt in der SPD-Zentrale (Foto: Stefg)

Brandt (geboren 1913) wuchs als uneheliches Kind der Verkäuferin Martha Frahm bei ihr und dem Stiefgroßvater in Lübeck auf. Dabei kam er früh mit der Politik in Kontakt. 1930 trat er der SPD bei, von der er allerdings schon ein Jahr später in die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) wechselte. 1933 wurde die Partei verboten und Brandt damit beauftragt, aus Oslo eine Zelle der Untergrundsorganisation zu leiten. Offiziell studierte er Geschichte, war jedoch hauptsächlich mit der Politik und seiner Tätigkeit als Journalist beschäftigt. Diese ermöglichte es ihm, 1936 als “Austauschstudent” nach Deutschland zurückzukehren und von den Verhältnissen dort zu berichten. In dieser Zeit arbeitete er unter dem Decknamen Gunnar Gaasland.

Während der deutschen Besetzung Norwegens 1940 gelangte er kurze Zeit in Gefangenschaft der Wehrmacht, wurde in seiner norwegischen Uniform allerdings nicht enttarnt. Ihm gelang die Flucht nach Stockholm, wo er mit norwegischer Staatsbürgerschaft bis 1945 lebte. Hier gründete er gemeinsam mit zwei schwedischen Kollegen ein schwedisch-norwegisches Pressebüro. Norwegisch sprach er fließend, Schwedisch kann da kein großes Problem gewesen sein.

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Schwedischer Film: Gut gegen Böse

Donnerstag, 17. September 2009

Obwohl Kulturförderung in Schweden meist groß geschrieben wird, ist die Anzahl an Filmen, die auch international für Aufsehen gesorgt haben, in den letzten Jahren relativ gering gewesen . Im letzten Jahr erlangte ein Film jedoch größere Beachtung: Maria Larssons eviga ögonblick (Maria Larssons ewiger Augenblick – der Augenblick dabei eher im wahrsten Sinne des Wortes). Unter dem englischen Titel “Everlasting Moments” war das Werk der schwedische Beitrag für die Oscarverleihung in der Kategorie “Bester ausländischer Film” (schaffte es allerdings nicht unter die fünf besten) und war für einen Golden Globe nominiert. Die verkannten Titel holte sich die Filmcrew dann beim schwedischen Filmpreis “Guldbaggan” im Januar 2009. In allen Kategorien war er nominiert (schwedischer Rekord), fünf Titel sind es schließlich geworden. Im März war Filmstart in den USA, in Deutschland müsste der Film bald auf den Markt kommen.

Mikael Persbrandt, bekannt aus "Kommissar Beck"

Mikael Persbrandt, bekannt aus "Kommissar Beck"

Die Handlung ist recht schnell erzählt. Der Film beginnt 1907 und spielt im Arbeitermilieu Malmös. Maria und Sigfrid Larsson wohnen in einer engen Hütte, haben wenig Geld und eine zunehmende Zahl Kinder (Maximum ist 7). Die Zeiten sind schlecht, der Mann hat nur tageweise Arbeit und versäuft Teile des Lohns. Bei der Lotterie (typisch schwedisch) gewinnen die beiden eine Kamera. Erst will Maria sie verpfänden, aber sie trifft auf einen netten Fotografen, der sie auf den Geschmack bringt, selbst Bilder zu schießen und dies finanziell unterstützt. Was nun kommt ist ein Wechsel aus ganz besonderen Fotos, die Maria schießt und der Gewalt ihres Mannes, die sie ihm immer wieder vergibt. Er hat was mit ner anderen, sympathisiert mit sozialistischen Ideen, zieht 1914 in den Krieg und zeigt mehr Gefühl gegenüber Pferden als gegenüber seiner Frau. Maria wünscht sich des Öfteren den Tod, fühlt sich zum Fotografen hingezogen, ohne allerdings gegen die 10 Gebote zu verstoßen.

Filmlänge: 130 Minuten. Man fragt sich warum. Es gibt keine richtige Entwicklung in dem Film. Wie so oft im schwedischen Kino gibt es halt die “Guten” und die “Bösen”. Sigfrid (gespielt von Mikael Persbrandt, dem seine Rolle als unwiderstehlicher Draufgänger/Aufreißer sichtlich gefällt) ist eindeutig derjenige, der die Kinozuschauer provozieren soll, wutentbrannt die Popcorntüte auf den Boden zu schleudern. 120 Minuten lang ist er der Böse, der Dumme, Kriminelle. Und dann ganz plötzlich in den letzten 10 Minuten wird er zum Helden stilisiert. Er kauft seiner Familie eine eigene Hütte, richtet seiner Frau einen Dunkelraum ein, baut ein Fuhrunternehmen auf, das so ein Renner wird, dass die Familie nicht länger in Armut leben muss.

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Die Samen – Urbevölkerung Nordeuropas

Freitag, 7. August 2009
rentier-helico-flickr

Rentierherde, Foto: Helico

Wie im vorherigen Artikel erwähnt, muss man Natur und Einsamkeit mögen, um im Norden Schwedens glücklich zu werden. Nach wenigen Wochen würden sich die meisten Menschen vermutlich in den warmen, hellen, abwechslungsreichen Süden oder die Mitte Europas zurücksehnen – zumindest im Winter. Es gibt in Skandinavien jedoch eine Bevölkerungsgruppe, der es so nah am Polarkreis bestens gefällt: den Samen, die als indigene Bevölkerung Schwedens zählen. Sie wohnen in einem weit gestreckten Gebiet im Grenzland von Norwegen, Schweden, Finnland und der russischen Kola-Halbinsel.

Da die Samen die historische Provinz Lappland bewohnt haben, wurden sie früher häufig Lappen genannt.  Der Begriff gilt heute allerdings als negativ konnotiert und wird deshalb gemieden. Sápmi nennen die Samen ihren Lebensraum, und daraus ergibt sich auch die Bezeichnung dessen Bewohner. Samen gibt es erstaunlich wenige, sie könnten gerade einmal eine kleinere Stadt füllen. Schätzungen gehen von 82.000 Personen aus. Davon leben 50.000 in Norwegen, 20.000 in Schweden, 10.000 in Finnland und 2.000 in Russland. Was zeichnet nun die Samen aus? Die Samen haben eine eigene Sprache: das Samische. Nach eigenen Angaben gibt es sehr viele Dialekte dieser Sprache, die sich so stark unterscheiden, dass sie beinahe als eigene Sprachen gezählt werden können. Allerdings sei dabei Vorsicht geboten: Schweden und Norweger behaupten auch, unabhängige Sprachen zu haben, können sich aber ohne Probleme im Gespräch ihre jeweilige Landessprache beibehalten.

Generell sind die Samen keine homogene Gruppe. Von Region zu Region unterscheiden sich ihre Traditionen. Vermutlich sind die Unterschiede größer geworden, nachdem im 19. Jahrhundert die Landesgrenzen neu gezogen wurden und stärkeres Nationalbewusstsein entstanden ist. Natürlich waren die Samen keine Christen, sondern hatten ihre eigene Religion und Mythologie. Diese spielt heute allerdings kaum noch eine Rolle. Lange Zeit galten sie vor allem als exzellente Rentierzüchter. Aber genauso wie die Bayern nicht alle Bierbrauer sind, hat nicht jeder Lappe Rentiere in seinem Garten stehen. Zu früheren Zeiten arbeiteten viele als Fischer oder in der Forstwirtschaft, heute üben sie ganz gewöhnliche Berufe aus. Viele junge Samen verlassen die nördlichen Gebiete und ziehen in Regionen mit mehr Arbeitsmöglichkeiten. Da viele nur noch Schwedisch und kein Samisch sprechen, ist die Integration kein Problem.

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„Wer hat uns verraten? – die Sozialdemokraten“*

Montag, 20. Oktober 2008

Nicht nur in Deutschland zweifeln viele Bürger an der Volksnähe der ehemaligen Arbeiterpartei SPD. Die schwedischen Sozialdemokraten mussten ähnliche Vertrauensverluste hinnehmen. Da sie über Jahrzehnte hinweg die Politik der Schweden bestimmten, war der Fall zwar noch nicht ganz so tief wie hierzulande. Für die Zukunft ist aber nicht auszuschließen, dass es weiter bergab geht.

LO (Gewerkschaftsbund) und Sozialdemokraten am 1. Mai 06 in Göteburg

LO (Gewerkschaftsbund) und Sozialdemokraten am 1. Mai 06 in Göteburg, Foto: ruminatrix, Flickr

Für lange Zeit galten die Sozialdemokraten in Schweden als die Schaffer und Bewahrer des nordischen Wohlfahrtsstaates, der nicht nur die Ärmsten stützt und schützt, sondern der gesamten Bevölkerung zu Gute kommt. Bekanntlich sind die Steuern im Dreikronenland hoch, die Mehrwertsteuer liegt beispielsweise bei 25%. Mit diesen Geldern wurde jedoch intensiv in Infrastruktur, Bildung, Kultur und soziale Systeme investiert. Zu Zeiten des Kalten Krieges wurde sogar vom Dritten Weg gesprochen, also einer Alternative sowohl zur freien Marktwirtschaft als auch zur Planwirtschaft. Grund hierzu war z.B. der sehr hohe Anteil an staatlichen Betrieben. Das geht von Casinos, Spirituosenherstellern, Kultureinrichtungen, Verkehrs- und Versorgungsbetrieben, Krankeneinrichtungen, Schulen, Krippen bis zu Apotheken und der Post. Klar, die meisten dieser Einrichtungen waren auch in Deutschland bereits staatlich, wurden allerdings wesentlich schneller privatisiert als in Schweden. In Schweden beginnt dieser Prozess jetzt erstrichtig.

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