Klartext im schwedischen Radio

Freitag, 25. November 2011

Eine schöne schwedische Einrichtung wurde in diesem Jahr mit einem Preis belohnt: Det Lätta Priset 2011 ging an die Sendung Klartext des schwedischen Radioprogramms P4. Klartext ist eine Nachrichtensendung, die werktags täglich von 18.00 – 18.10 Uhr ausgestrahlt wird. Das Besondere an der Sendung ist, dass sie in einfachem Schwedisch produziert wird. Sie richtet sich somit an Personen, die (noch) nicht über ausreichend Schwedischkenntnisse verfügen, um herkömmliche Nachrichten zu hören oder an diejenigen, die sich allgemein schwertun mit den Begrifflichkeiten und geschilderten Zusammenhängen in einer Nachrichtensendung.

Behandelt werden in der Sendung des öffentlichen schwedischen Rundfunks innenpolitische, außenpolitische, Wirtschafts- und Sportthemen. Die Anzahl an Beiträgen und deren Länge wird dabei bewusst kleingehalten. Wie in “normalen” Nachrichten werden O-Töne von Interviewten ausgestrahlt. Diese sind vielleicht nicht ganz so leicht zu verstehen wie der Rest. Ansonsten wird darauf geachtet, dass die Nachricht langsam vermittelt und mit einfachen Worten komplizierte Sachverhalt erklärt werden.

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Nils Holgersson als Fernsehstar

Sonntag, 17. Juli 2011

1907 schrieb die schwedische Lehrerin und Literatur-Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöff den Roman Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige (dt.: Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden). Im Jahr 2011 wird die Story neu verfilmt und soll in der Weihnachtszeit auf der ARD zu sehen sein. Die deutsch-schwedische Koproduktion wird als Zweiteiler für die Zuschauer aufbereitet. Mal sehen, ob Lagerlöffs Ziel, Kindern alle Landschaften Schwedens vorzustellen, weiterhin verfolgt wird.

Als kleine Gedächtnisstütze ein Überblick über die Geschichte. Nils Holgersson ist 14 Jahre und lebt in Südschweden. Er ist ganz Michel-like ein Schelm und führt gerne Streiche aus. Seine Eltern halten ihn deshalb für faul und bösartig. Irgendwann wird er wegen eines Streichs in einen Däumling (im schwedischen eher verbreitet als tomte) verwandelt. Dann gibts da noch die Hausgans Martin, die sich den Wildgänsen anschließen will, die nun mal immer über Südschweden nach Nord bzw. Süd fliegen. Nils will ihn zwar daran hindern, schafft es nicht und schließlich fliegen Martin und Nils mit einer Truppe Wildgänsen durch das Land in Richtung Lappland. Damit es die Kinder interessiert, erleben sie verschiedene Abenteuer. Gleichzeitig wird ihnen aber auch über Landschaft und Kultur der verschiedenen schwedischen Landschaften  berichtet. 50 Kapitel hat das Werk insgesamt. Die beiden fliegen einmal hoch nach Lappland und setzen sich auf dem Weg nach Süden in ihrer Heimat wieder ab.

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Filmzensur: Pionier Schweden

Mittwoch, 4. Mai 2011

In unserer Welt herrscht das Primat der Superlative. Höher, weiter, schöner, reicher ist das Motto, dem man sich beugt. Und Schweden war ganz vorne dabei. Allerdings ein Superlativ, auf den man nicht unbedingt stolz sein muss: Schweden hat 1911 die erste Filmzensurbehörde der Welt gegründet. Filmzensur bedeutet hier nicht – wie man vielleicht denken könnte – Filme so zu schneiden, dass sie jugendfrei werden. Filmzensur heißt, dass jemand meint, bestimmte Vorgänge dürfen in einen Film für Erwachsene  nicht gezeigt werden. Diese müssen dann rausgeschnitten werden, bevor der Film an die Öffenltichkeit gelangt. Oder wenn nichts zu retten ist, wird der Film komplett verboten.

Zensiert: Donald Duck (Foto: Paul-W)

Zensiert: Donald Duck (Foto: Paul-W)

1911 steckte das Medium Film noch in den Kinderschuhen. Ungefähr seit 1895 gab es Stummfilme zu sehen. In den 1910er Jahren kamen zum  ersten Mal kürzere Filme mit der Ikone Charly Chaplin auf den Markt. Und schon zu diesem Zeitpunkt wollte die schwedische Regierung ihren Bürgern vorschreiben, was sie gucken dürfen und was nicht. Zu diesem Zweck wurde das Statens biografbyrå gegründet. Eine Begründung war Rechtssicherheit. Zuvor durfte der Polizist vor Ort entscheiden, was in seinem Einflussgebiet gezeigt wird und was nicht. Da kann man sich vorstellen, wie willkürlich die Entscheidungen getroffen wurden. Doch statt dem Polizisten diese Kompetenz wieder zu nehmen, wurde eine neue Behörde eingeführt.

Was aber eigentlich noch viel erstaunlicher ist als der frühe Beginn der Filmzensur ist die Tatsache, dass die Behörde erst in diesem Jahr zum 1. Januar hin geschlossen wurde. 99 Jahre gab es die Filmzensur in Schweden! Seit Mitte der 90er Jahre hat man zwar die Devise ausgegeben, dass man sich primär darauf beschränkt, die Altersgrenze für Filme festzulegen (in Schweden gibt es die Altersbegrenzungen ab 7, ab 11 und ab 15 Jahren). Es ist aber dennoch zu weiteren Zensureingriffen gekommen. Während der Zensur wurde zum Beispiel verboten, dass der arme Donald Duck mit einem Wohnwagen einen Berg runterfährt und nur um ein Haar mit einem Zug zusammenstößt. Oder in Ein Fisch namens Wanda einer Person Pommes tief in die Nase gesteckt werden und ein Goldfisch verspeist wird (siehe auch einen taz-Artikel zu dem Thema).

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Schwedischer Film: Gut gegen Böse

Donnerstag, 17. September 2009

Obwohl Kulturförderung in Schweden meist groß geschrieben wird, ist die Anzahl an Filmen, die auch international für Aufsehen gesorgt haben, in den letzten Jahren relativ gering gewesen . Im letzten Jahr erlangte ein Film jedoch größere Beachtung: Maria Larssons eviga ögonblick (Maria Larssons ewiger Augenblick – der Augenblick dabei eher im wahrsten Sinne des Wortes). Unter dem englischen Titel “Everlasting Moments” war das Werk der schwedische Beitrag für die Oscarverleihung in der Kategorie “Bester ausländischer Film” (schaffte es allerdings nicht unter die fünf besten) und war für einen Golden Globe nominiert. Die verkannten Titel holte sich die Filmcrew dann beim schwedischen Filmpreis “Guldbaggan” im Januar 2009. In allen Kategorien war er nominiert (schwedischer Rekord), fünf Titel sind es schließlich geworden. Im März war Filmstart in den USA, in Deutschland müsste der Film bald auf den Markt kommen.

Mikael Persbrandt, bekannt aus "Kommissar Beck"

Mikael Persbrandt, bekannt aus "Kommissar Beck"

Die Handlung ist recht schnell erzählt. Der Film beginnt 1907 und spielt im Arbeitermilieu Malmös. Maria und Sigfrid Larsson wohnen in einer engen Hütte, haben wenig Geld und eine zunehmende Zahl Kinder (Maximum ist 7). Die Zeiten sind schlecht, der Mann hat nur tageweise Arbeit und versäuft Teile des Lohns. Bei der Lotterie (typisch schwedisch) gewinnen die beiden eine Kamera. Erst will Maria sie verpfänden, aber sie trifft auf einen netten Fotografen, der sie auf den Geschmack bringt, selbst Bilder zu schießen und dies finanziell unterstützt. Was nun kommt ist ein Wechsel aus ganz besonderen Fotos, die Maria schießt und der Gewalt ihres Mannes, die sie ihm immer wieder vergibt. Er hat was mit ner anderen, sympathisiert mit sozialistischen Ideen, zieht 1914 in den Krieg und zeigt mehr Gefühl gegenüber Pferden als gegenüber seiner Frau. Maria wünscht sich des Öfteren den Tod, fühlt sich zum Fotografen hingezogen, ohne allerdings gegen die 10 Gebote zu verstoßen.

Filmlänge: 130 Minuten. Man fragt sich warum. Es gibt keine richtige Entwicklung in dem Film. Wie so oft im schwedischen Kino gibt es halt die “Guten” und die “Bösen”. Sigfrid (gespielt von Mikael Persbrandt, dem seine Rolle als unwiderstehlicher Draufgänger/Aufreißer sichtlich gefällt) ist eindeutig derjenige, der die Kinozuschauer provozieren soll, wutentbrannt die Popcorntüte auf den Boden zu schleudern. 120 Minuten lang ist er der Böse, der Dumme, Kriminelle. Und dann ganz plötzlich in den letzten 10 Minuten wird er zum Helden stilisiert. Er kauft seiner Familie eine eigene Hütte, richtet seiner Frau einen Dunkelraum ein, baut ein Fuhrunternehmen auf, das so ein Renner wird, dass die Familie nicht länger in Armut leben muss.

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Sommerlochneuigkeiten

Donnerstag, 13. August 2009

August ist Sommerlochzeit. Alle haben Urlaub, inklusive einer Großzahl von Journalisten. Da auch die Politiker Urlaub haben, gibt es für die Zurückgebliebenen in den Redaktionen weniger zu berichten. So entstehen Pseudo-Skandale wie die “Affäre Dienstwagen”. Glücklicherweise gab es aufgrund dieser Peanuts keinen Minsterrücktritt. Allerdings wird die Frau höchstwahrscheinlich eh nicht mehr lange im Dienstwagen fahren dürfen. Ende Oktober wird Schluss sein. Hat sich das von selbst erledigt und der “Skandal” wird noch lächerlicher.

Zeitungen zu lesen ist derzeit somit nicht das größte Vergnügen. Allerdings gibt es eine Ausnahme. Wenn man sich für die Rubrik “Klatsch und Tratsch” (gerne auch mit dem Euphemismus “Blick in die Welt” o.ä. tituliert), hatte man eine interessante Woche. Vor allem in Schweden. Ahnungslos saß ich vor dem Computer und wunderte mich über den rasanten Anstieg der Besucherzahlen auf meinem Blog. Gefragt war nur ein Artikel. Da wurde ich neugierig.  Und siehe da: Neues aus dem Königshaus. Das Nesthäkchen des schwedischen Königshaus hat ihrem langjährigen Freund versprochen, ihn zu heiraten.

Das Interesse an dem Paar muss riesig sein. Unbestreitbar eine schöne Frau, die einen ebenso schönen Mann heiratet (Bilderserie bei Dagens Nyheter, der renommiertesten schwedischen Zeitung). Beliebt ist ja eh die ganze Familie. Die können machen, was sie wollen, die Schweden lieben sie. Allerdings wäre es höchst verwunderlich, wenn sich die schwedische Königsfamilie solche Fehltritte/Menschlichkeiten wie die britische Familie leisten würde. UK hat da einfach noch mehr Unterhaltungswert.

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Hightech-Nation

Montag, 3. November 2008

Schweden hat zwar im europäischen Vergleich eine große Landesfläche, aber relativ wenige Einwohner. Da sollte man meinen, dass die Versorgung mit Internet und Mobilfunknetzen sich schwieriger gestaltet als in unserem dicht besiedelten Land. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. In Sachen Mobilfunk und Internet ist Schweden Weltspitze!

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Foto: prasan naik, Flickr

Das World Wide Web gehört zur Standardausrüstung schwedischer Haushalte. Und von den Geschwindigkeiten lässt sich in den deutschen Landen nur träumen. Das Breitband ist weit verbreitet und wohl nur in den kleinsten Dörfern noch nicht vorhanden. 8-16 mbit/s gibt es in Schweden zu Preisen, für die wir hier vielleicht DSL 1000 bekommen. Auch DSL 100.000 ist zu haben, wenn man etwas (!) tiefer in die Taschen greifen möchte. Der Renner 2008 war und ist das mobile Breitband. Soll heißen, der Laptop oder PC wird mit einem Stick ausgerüstet und schon gibts im Zug, auf der Arbeit im Wohnzimmer oder auf dem Spielplatz Internet. Je nachdem, wo man sich befindet, ist die Verbindung schnell oder weniger schneller. Da die Schweden große Segelfans sind und die Sommer gerne in ihren Ferienhäusern in den Wäldern und die Winter in den Bergen verbringen, ist der Empfang für das mobile Internet auch hier weitreichend gewährleistet. Da kann man als Dorfbewohner in Deutschland nur neidisch in den Norden schauen, gibts doch hier zahlreiche Gegenden, in denen es keinen DSL-Anschluss gibt oder dieser nur über einen Vertrag mit der Telekom zu haben ist (von wegen Liberalisierung des Telefonmarktes).

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Topdemokratie?!?

Montag, 4. August 2008

Regelmäßig erscheint Schweden in Toppositionen, wenn die westliche Welt sich mal wieder zu einem Demokratieranking hergibt. Das Land gilt mit seinen sieben etablierten Parteien als besonders pluralistisch, erlaubt einen größeren Spielraum für die Äußerung seiner eigenen Meinung als die meisten anderen europäischen Staaten und setzt sehr viel Wert auf Transparenz im politischen Entscheidungsprozess. Das Öffentlichkeitsprinzip erlaubt es jeden Bürger Einsicht in politische Akten einzufordern. Außerdem gibt es für viele gesellschaftliche Gruppen einen Ombudsmann, an den Bürger sich wenden können, falls sie sich von der Regierung, Ämtern oder anderen Personen und Firmen diskriminiert oder falsch behandelt sehen. Das alles spricht für Schweden und sollte natürlich anerkannt werden. Zumal die Schweden beispielsweise das Prinzip der Ombudsfrau/des Ombudsmannes in die EU gebracht haben.

Umso erstaunlicher ist es da, dass die so genannte Vierte Macht im Staate Schweden so schwach ist!

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