Random I am: Millencolin

Sonntag, 24. Oktober 2010
Millencollin 2008 in Örebro, Foto: Håkan Henriksson

Millencollin 2008 in Örebro, Foto: Håkan Henriksson

Musikalisch ist Schweden ja eher bekannt für sorglose Popmusik à la Abba oder Roxette, so genannten Post Punk wie Mando Diao oder The Hives oder aber Elektropop. Im Kontrast dazu gibt es seit mittlerweile fast 20 Jahren eine international bekannte schwedische Punkband, Millencolin genannt. Punk ist dabei sicher ein Oberbegriff, der die Musik nicht abschließend beschreibt. Skateboard-Punk trifft es vielleicht besser, d.h. es geht mehr in Richtung amerikanischer Punk poppiger Art als in Richtung englischer Arbeiterpunk. Aber vermutlich liegt gerade darin der Erfolg begründet.

Die Band besteht aus vier Mitgliedern: Nikola Sarcevic ist Sänger und Bassist, an der Gitarre spielen Erik Ohlsson und Mathias Färm, und das Schlagzeug bearbeitet Fredrik Larzon. 1992 traf man sich in der 100.000 Einwohner großen Stadt Örebro, im Herzen Schwedens. Zunächst hatten die vier Musiker in unterschiedlichen Bands auf Schwedisch gesungen. Relativ schnell wechselte man jedoch in die Muttersprache von Pop- und Rockmusik: Englisch. Schon mit dem zweiten aufgenommen Song bekommt die Band einen Plattenvertrag beim jungen Indie-Plattenlabel Burning Heart. Das ist 1993. Schon zwei Jahre später schaffen die vier Schweden den Durchbruch mit ihrem Album Life on a Planet. Für viele Fans bis heute eines der besten Alben der Band. In Schweden erreicht man Platz vier in den Charts. Es folgt eine Tour mit der amerikanischen Punkband Pennywise. Damit nimmt alles seinen Lauf. Ein Mitglied der Punkpioniere Bad Religion, Brett Gurewitz, wird auf die Band aufmerksam und sorgt dafür, dass die Schweden ihre Musik über sein Label auch in Übersee, sprich in den USA, verkaufen können.

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Snus – Tabak in mundgerechten Päckchen

Freitag, 24. Juli 2009

Schweden ist bekannt für teuren Alkohol. Zweck ist nicht nur durch eine besonders hohe Steuer den Sozialstaat zu finanzieren, sondern vor allem den Konsum niedrig zu halten. Klappt nicht so ganz, nichtsdestotrotz ist Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit beispielsweise in Parks und in öffentlichen Verkehrsmitteln verboten und irgendwie auch verpönt. Gleiches gilt für so genannte weiche Drogen. Um so erstaunlicher, dass die Schweden ein eigenes Tabakprodukt besitzen, welches in der restlichen Europäischen Union verboten ist.

Snus portionsweise (Foto: andreas hagerman, flickr)

Snus portionsweise (Foto: andreas hagerman)

Snus ist ein Oraltabak (was für ein Wort), der in kleinen Beutelchen verpackt ist und Nikotin und Salze enthält. Dieses Beutelchen steckt man sich unter die Oberlippe. Durch das Salz in dem Päckchen wird der Speichelfluss angeregt und somit die Nikotinaufnahme begünstigt. Für den Konsument ergibt sich derselbe Effekt wie beim Rauchen. Für das Umfeld des Konsumenten sind weniger Qualm und Kippen die Folge. Allerdings wird einem so ständig vor die Füße gerotzt, was ästhetisch noch unter den Kippen anzuordnen, aber vielleicht die umweltfreundlichere Variante ist.

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School’s out in Schweden

Montag, 8. Juni 2009
Abitourienten

Truck mit Abiturienten

Dröhnender Bass, Flaschen-schwenkende Jugendliche, Trucks und ausgelassene Stimmung. Nein, keine Loveparade in Schweden, sondern ein traditioneller Teil der Feierlichkeiten zum Schulabschluss. Mehrere Wochen lang ziehen die frisch gebackenen Abiturienten lautstark durch die Straßen Stockholms. Es gibt zwar einen offiziellen Umzugstag, allerdings scheint jede Schule ihren eigenen Tag zum Feiern auserkoren zu haben. Die sonst so sicherheitsbewussten Schwedinnen und Schweden stehen dabei auf Unimogs und offenen Lastern, hören lauten Musik, trinken Alkohol und winken den Passanten zu. Derart ziehen sie mehrere Stunden durch die Innenstadt. Partystimmung in der Stadt, von den Passanten meist wohlwollend aufgenommen, da sie sich an ihre eigene  Abiturientenzeit erinnern.

Wie in Zusammenhang mit der Walpurgisnacht bereits erwähnt, tragen alle schwedischen Abiturienten ein Erkennungszeichen: eine weiße Mütze mit schwarzen Schirm. Wie in anderen Ländern auch, haben die Studentenmützen eine lange Tradition. Auch wenn es sonst keine Schuluniform in Schweden gibt, ist dies ein Muss für jeden Schulabgänger. Die Mützen gibt es in hochwertigen Ausführungen mit persönlicher Gravur und Wappen oder blau-gelb auf der Stirn. Ein hervorragendes Geschenk der stolzen Eltern an ihre Zöglinge.

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Der Globen

Donnerstag, 27. November 2008

Es wird mal wieder Zeit über Stockholm im Speziellen zu schreiben. Die Vorteile der Stadt habe ich ja noch gar nicht zu genüge dargestellt. Dabei hat Stockholm noch einige Besonderheiten zu bieten. Zum Beispiel an Gebäuden. Ein sehr markantes Bauwerk steht im Süden Stockholms. Es sieht aus, als hätte jemand einen überdimensionierten Golfball in die Stadt gesetzt. Die Rede ist vom Globen. Dieser kann schon beinahe als Wahrzeichen bezeichnet werden. Neben Stadshuset, dem Schloss und einigen anderen Bauwerken schmückt er nämlich beispielsweise die Sitzbezüge vieler U-Bahn-Sitze. Aber auch auf Stadtkarten, Souvenirs und anderem Material ist er häufiges Motiv. Der Wiedererkennungseffekt ist ja auch nicht zu bestreiten.

Globen, Foto: Benoit, flickr.com

Globen, Foto: Benoit, flickr

Ein paar technische Details. Der Globen ist 85 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 110 Metern. Eingeweiht wurde er 1989 und entworfen hat ihn das Architekturbüro Berg Arkitektkontor AB.Bei Sportveranstaltungen passen etwa 13.000 Zuschauer in die Arena, bei Konzerten bis zu 16.300. Da Stockholm in Skandinavien die größte Stadt ist, kommen alle großen Band nach Stockholm und dort meist in den Globen, weil ein vergleichbar großes Veranstaltungszentrum nicht existiert. Es gibt allerdings nicht nur die Kuppel, sondern auch noch den Annex für kleinere Konzerte.

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Bier, Korn, Schnaps und Wein…

Sonntag, 7. September 2008

Bekannt sind die Schweden dafür, dass sie sich – sobald sie ihr beschauliches Land verlassen haben – hemmungslos betrinken. Und wie jedes Vorurteil birgt auch dieses Wahrheit in seinem Kern, auch wenn man dies natürlich nicht pauschal über alle Schweden sagen sollte. Nichtsdestotrotz ist es beachtlich, wenn die reisenden Schweden demonstrieren, wie viel Alkohol ein einziger Körper so aufnehmen kann.

Bier - schon gut gekühlt

En öl (Foto: banger1977)

Das Verhalten resultiert wohl nicht zuletzt aus der recht regressiven Alkoholpolitik, welche das Land seit Jahrzehnten geprägt hat. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts war die so genannte Nykterhetsrörelse (die Nüchternheitsbewegung) sehr stark im Dreikronenland und konnte ihren Einfluss auf die Sozialdemokratie geltend machen. Die Sozialdemokraten haben wiederum seit den 1930er Jahren bis in die 90er hinein beinahe jede Regierung gestellt. Wichtigste Pfeiler dieser Maßnahmen gegen einen erhöhten Alkoholkonsum der Bevölkerung – welcher die Arbeiterklasse schwächen würde und laut der Anhänger der Nykterhetsbewegung zur allgemeinen Verrohung führt – sind der eingeschränkte Verkauf von Getränken und die hohe Besteuerung selbiger. Bier mit über 3,5% Alkoholgehalt, Wein und Spirituosen gibt es nur in den so genannten System Bolag. Dies sind staatlich betriebene Schnapsbutiken, bei denen stark kontrolliert wird, ob der Einkäufer alt genug ist und welche durch ihre Öffnungszeiten das mehr oder weniger spontane Trinken am Abend oder Wochenende unmöglich machen. Im öffentlichen Nahverkehr in Stockholm und in einigen Parks und öffentlichen Plätzen darf Alkohol nicht verzehrt werden, was auch ausgiebig kontrolliert wird. Eine weitere Maßnahme ist die eingeschränkte Werbemöglichkeit für Spirituosen usw. Diese muss – wie bei Zigaretten in der EU – markiert sein mit Hinweisen, welche Konsequenzen Alkholgenuss haben kann.

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Diskofieber

Freitag, 8. August 2008

Kleiner thematischer Nachschlag. Auch das Ausgehen sei wohlüberlegt in einer fremden Stadt. Stockholm ist dabei nicht ganz einfach zu durchschauen. Natürlich gibt es jede Menge Clubs. Die erste Schwierigkeit besteht dann aber schon darin, dass sich viele Veranstaltungen „Club“ nennen, obwohl es sich um eine gewöhnliche Kneipe ohne besonderes Programm handelt. Da diese in den Veranstaltungsblättern dann trotzdem mit aufgenommen werden, sollte man sich jeden Laden zunächst von außen ansehen, um einschätzen zu können, um was es sich handelt. Ob „Club“ wirklich „Tanzmöglichkeit“ bedeutet. Haken an der Sache ist nämlich, dass dann auch solche Bars plötzlich Eintritt verlangen. Üblicherweise muss man dann noch seine Jacke abgeben, so dass man schnell mindestens fünf Euro los ist.

Debaser Stockholm (Foto: chelsealeigh)

Debaser Stockholm (Foto: chelsealeigh)

Das ist jedoch noch ein Spottpreis gegenüber den richtigen Diskotheken. Diese nehmen gut und gerne 15 Euro Eintritt und haben dementsprechend hohe Getränkepreise. Zu nennen wäre hier beispielsweise das Berns, die Spy Bar oder das Café Opera. Als großes Entgegenkommen kostet es nur noch 12 Euro, wenn man nach 2 Uhr kommt. Um 4 Uhr wird geschlossen, die Investition sei überlegt. Günstig weggehen in Stockholm ist beinahe unmöglich. Einige Clubs bieten kostenlosen oder verringerten Eintritt vor 22 oder 23 Uhr an. Allerdings muss hier beachtet sein, dass ein Bier regelmäßig 5 Euro kostet, somit der gesparte Eintrittspreis schnell vertrunken ist. Und das Publikum ist dann zuweilen dementsprechend jung oder unansprechend.

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Wo ist denn wohl die Szene?

Mittwoch, 30. Juli 2008

Södermalm - bunter Treffpunkt

Alles was als hipp gezählt werden möchte, tummelt sich im Stadtteil Södermalm. Ein recht großes Viertel mit zahlreichen Kneipen, Diskos und Restaurants. Gleichzeitig auch sehr viel Wohn- und Arbeitsraum. Alle, die denken, sie seien jenseits des Mainstreams, independent und extrem individuell versammeln sich hier und machen den Ort dann doch wieder irgendwie spießig. Viel Wert wird darauf gelegt zu betonen, dass man aus Södermalm ist oder dort zumindest arbeitet oder sich regelmäßig zwecks Nachtleben aufhält. Die Leute hier grenzen sich vor allem ab von den Östermalm-Bewohnern, welche zu den reichsten Schwedens und somit zu den reichsten der Welt zählen dürften. Was den Geldbeutel betrifft, können sich die Södermalmer jedoch gar nicht allzu sehr von den anderen Innenstadtbewohnern unterscheiden, da beispielsweise eines der seltenen WG-Zimmer nicht unter 500-600 Euro pro Monat zu haben ist. Auch die Getränkepreise in den Gastronomiebetrieben sind happig und setzen eine gute finanzielle Situation voraus. Widerspricht auf jeden Fall meiner Vorstellung von Subkultur und “Szene”. Was nicht heißen soll, dass ich das Viertel nicht mag und mich nicht auch dort primär aufhalte. Der Weg vom Medborgarplatsen Richtung Slussen ist auf jeden Fall eine super Flaniermeile und absolut dazu zu nutzen, interessante und schöne Menschen sehen zu können. Und eine Kneipe wie das Carmens, welche jeder Stockholmer kennt und meines Wissens nach alle schätzen, ist auch nicht zu verachten (wobei ich mich frage, wie lange dieser Status aufrecht erhalten bleiben kann, wenn die Bediensteten dort weiter so unfreundlich sind). Großartig auch die Fülle an Second-Hand-Läden, Cafés und Nischengeschäften. Oder der Blick entlang der Götgatan in Richtung des beleuchteten Globens, wenn es dunkel ist. Das Abenteuer, den Bus durch die Stadt zu nehmen an dem Tag, an dem die Schweden ihre Steuererklärung einreichen müssen (Verkehrschaos!). Die herrliche Aussicht in der Buslinie 2 von Slussen in Richtung Sofia auf den Anlegerbereich für die Kreuzfahrtschiffe und Djurgarden….

Abgelegt in Schweden, Stockholm