Tove Janssons Mumins

Sonntag, 12. September 2010

Es gibt Bullerbü für die einen, es gibt Nils Holgerssons Reisen für andere und wer noch mehr Harmonie möchte, blättert Pettersson und Findus-Bücher durch. Ein Kinderleben in Schweden regt Phantasie und Geist an. Es gibt aber noch eine weitere sehr berühmte Phantasiewelt: Das Mumintal. Hier leben die drolligen Mumins, Fabelwesen zwischen Nilpferd und knopfaugigen Schneemann. Erfunden von der schwedischsprachigen Finnin Tove Jansson.

Tove Jansson 1956

Tove Jansson 1956

Tove Jansson ist 1914 in Helsinki geboren. Sie stammt aus einer Künstlerfamilie: Die Mutter war Malerin und entwarf viele finnische Briefmarken, der Vater war Bildhauer. Die Schule hat sie mit 15 Jahren verlassen, trotzdem war sie als 18-Jährige bereits voll im Geschäft: sie zeichnete Karikaturen, Illustrationen und arbeitete für die Werbung. Davon konnte sie sicher bereits gut leben. Nebenbei studierte sie an Kunsthochschulen in Stockholm, Helsinki und Paris.

Mit 31 Jahren änderte sich ihr Leben dann aber noch einmal grundlegend. Im Jahr 1945 erschien “Die kleinen Trolle und die große Überschwemmung”. Das Buch handelte bereits von den trollartigen Wesen, war aber noch längst nicht so detailreich wie die späteren Comics. Dadurch bekam sie jedoch weitere Aufträge als Illustratorin, darunter für Alice im Wunderland und Der kleine Hobbit. 1953 engagierte sie eine britische Zeitung für eine täglichen Comic über die Mumins. Diese Serie verkaufte sich international in 40 Länder und bescherte ihrer Schöpferin große Bekanntheit.

Durch den Ruhm erhöhte sich natürlich auch der Druck. Ihr Bruder Lasse unterstützte sie bei der weiteren Produktion, so dass Tove sich auf das Schreiben konzentrieren konnte. Es folgten weitere Bücher, Verfilmungen und  Vermarktung der beliebten mystischen Figuren. Zwangsläufig war Tove Jansson diesen Rummel irgendwann leid. Sie wollte nicht mehr länger nur Fabelwesen zeichnen. 1968 schrieb sie mit “Die Tochter des Bildhauers” eine Autobiographie. In den nächsten Jahren schrieb sie weitere Kinder- und Erwachsenenbücher und Theaterstücke. Diese wurden jedoch nicht annähernd so erfolgreich wie die Mumins-Bücher, für die die finnische Schriftstellerin verschiedene Preise bekommen hat.

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August Strindberg – Ein echter Künstler

Samstag, 17. Juli 2010
August Strindberg

August Strindberg

Sieht man mal von Astrid Lindgren ab, so fällt sicher der Name August Strindberg als erstes, wenn man danach gefragt wird, welche großen schwedischen Schriftsteller es gab. Und da es von dieser Spezies in Schweden naturgemäß nicht ganz so viele gab wie im viel größeren Deutschland, wird ihm in Schweden ausgiebig Beachtung geschenkt. Die erhält er von eher literaturfernen Personen gleichermaßen, da er ein echter Künstler war und somit Sex, Drugs and Rock n’ Roll gelebt hat. Und das interessiert dann doch alle.

Strindberg ist 1849 im Herzen Stockholms geboren. Sein Vater war eine Art selbständiger Schiffskaufmann, seine 12 Jahre jüngere Frau arbeitete als Haushaltsangestellte, bis sie selbst acht Kinder zu versorgen hatte. Strindberg war Nummer drei davon und wuchs im mittelständischen Haushalt auf. Innerhalb von Stockholm ist er häufig umgezogen, lebte teilweise auf Norrmalm, Riddarholm und in Vasastaden. Während seiner Jugend starb die Mutter an Tuberkolose. Der Vater tröstete sich schnell mit der 22jährigen Erzieherin seiner Kinder, die er schnell heiratete. Vater und Sohn hatten eine schwierige Beziehung, was den Filius zunehmend religiöser werden ließ.

1867 begann er in Uppsala Ästhetik und Sprachen zu studieren, zwischenzeitlich hatte er auch ein Medizinstudium angefangen. Das alles lief aufgrund mangelnden finanziellen Ressourcen nicht so richtig rund. Er versuchte sich nebenbei Geld zu verdienen als Lehrer, Jagdhelfer und als Statist am Dramatischen Theater in Stockholm. Auch dies war nicht das Gelbe vom Ei. 1873 zog er zurück nach Stockholm und arbeitete kurzfristig als Redakteur bei Dagens Nyheter. Von 1974 bis 1882 hatte er einen Posten als Sekretär in der Königlichen Bibliothek, die es ihm erlaubte, sich schriftstellerisch zu betätigen. In dieser Zeit entstand eines seiner bekanntesten Werke: Mäster Olof (Meister Olof). 1779 erfolgte dann der Durchbruch als Schriftsteller mit der Gesellschaftssatire Röda Rummet (Das rote Zimmer).

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Die Samen – Urbevölkerung Nordeuropas

Freitag, 7. August 2009
rentier-helico-flickr

Rentierherde, Foto: Helico

Wie im vorherigen Artikel erwähnt, muss man Natur und Einsamkeit mögen, um im Norden Schwedens glücklich zu werden. Nach wenigen Wochen würden sich die meisten Menschen vermutlich in den warmen, hellen, abwechslungsreichen Süden oder die Mitte Europas zurücksehnen – zumindest im Winter. Es gibt in Skandinavien jedoch eine Bevölkerungsgruppe, der es so nah am Polarkreis bestens gefällt: den Samen, die als indigene Bevölkerung Schwedens zählen. Sie wohnen in einem weit gestreckten Gebiet im Grenzland von Norwegen, Schweden, Finnland und der russischen Kola-Halbinsel.

Da die Samen die historische Provinz Lappland bewohnt haben, wurden sie früher häufig Lappen genannt.  Der Begriff gilt heute allerdings als negativ konnotiert und wird deshalb gemieden. Sápmi nennen die Samen ihren Lebensraum, und daraus ergibt sich auch die Bezeichnung dessen Bewohner. Samen gibt es erstaunlich wenige, sie könnten gerade einmal eine kleinere Stadt füllen. Schätzungen gehen von 82.000 Personen aus. Davon leben 50.000 in Norwegen, 20.000 in Schweden, 10.000 in Finnland und 2.000 in Russland. Was zeichnet nun die Samen aus? Die Samen haben eine eigene Sprache: das Samische. Nach eigenen Angaben gibt es sehr viele Dialekte dieser Sprache, die sich so stark unterscheiden, dass sie beinahe als eigene Sprachen gezählt werden können. Allerdings sei dabei Vorsicht geboten: Schweden und Norweger behaupten auch, unabhängige Sprachen zu haben, können sich aber ohne Probleme im Gespräch ihre jeweilige Landessprache beibehalten.

Generell sind die Samen keine homogene Gruppe. Von Region zu Region unterscheiden sich ihre Traditionen. Vermutlich sind die Unterschiede größer geworden, nachdem im 19. Jahrhundert die Landesgrenzen neu gezogen wurden und stärkeres Nationalbewusstsein entstanden ist. Natürlich waren die Samen keine Christen, sondern hatten ihre eigene Religion und Mythologie. Diese spielt heute allerdings kaum noch eine Rolle. Lange Zeit galten sie vor allem als exzellente Rentierzüchter. Aber genauso wie die Bayern nicht alle Bierbrauer sind, hat nicht jeder Lappe Rentiere in seinem Garten stehen. Zu früheren Zeiten arbeiteten viele als Fischer oder in der Forstwirtschaft, heute üben sie ganz gewöhnliche Berufe aus. Viele junge Samen verlassen die nördlichen Gebiete und ziehen in Regionen mit mehr Arbeitsmöglichkeiten. Da viele nur noch Schwedisch und kein Samisch sprechen, ist die Integration kein Problem.

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Ohne Fleiß kein Preis – Studieren in Schweden

Mittwoch, 15. Juli 2009

Das Studiensystem in Schweden ist leicht erklärt. Es setzt sich zusammen aus:

1) Gruppenarbeit

2) Bergen von Lektüre

3) vier Wochen des Semesters richtigen Stress

Ein sozial- oder geisteswissenschaftliches Studium in Schweden unterscheidet sich somit in hohen Maßen von einem deutschen Studium, zumindest war dies zu Zeiten von Diplom und Magister noch so. Heute haben wir uns teilweise angeglichen, eine vollständige Harmonisierung wird aber sicher die nächsten 20 Jahre nicht durchsetzbar sein (sollte jemand diesen Wunsch hegen).

Uppsala Universitet: Schwedens älteste Uni (Foto: Riviera Kid)

Uppsala Universitet: Schwedens älteste Uni (Foto: Riviera Kid, flickr)

Ein krasser Unterschied ist der Aufbau des Semesters. Während wir – je nach Einsatz des Studierenden – ungefähr 10 Kurse wöchentlich besuchen, haben die Schweden jeweils nur einen, maximal zwei Kurse zur gleichen Zeit. Diese Kurse gehen dann allerdings nur sechs Wochen, so dass man im Semester auf vier unterschiedliche Seminare kommt. Da nicht alle Themen erschöpfend in sechs Wochen abgearbeitet werden, gibt es auch Kurse über zwei Zeiteinheiten (Englisch: periods). Der Rest der Woche ist dann allerdings nicht Freizeit. Grundannahme ist das Selbststudium. 200 Seiten pro Woche Lektüre ist in den Geisteswissenschaften Standard. Dazu gibt es kleine Aufgaben abzugeben oder zu erledigen. Und diese sind dann meist in Gruppenarbeit zu leisten – der Allzweckwaffe der schwedischen Pädagogik. Dahinter steckt wohl die Illusion, dass die Gruppenarbeit den Zugang zu den Themen erleichtert und vertieft. Die Kehrseite ist, dass man den seiner Arbeitsgruppe sehr ausgeliefert ist. Man kann Glück oder Pech haben.

Von den sechs Wochen ist jeweils die letzte die intensivste. Hier wird entweder eine Klausur geschrieben oder die Ausarbeitung einer Hausarbeit verlangt. Präsentationen und Referate werden in fast jeder vorhergehenden Stunde gehalten. Es gibt bei den Kursen drei verschiedene Niveaus: A, B, C, wobei letzteres die schwierigste Kategorie und primär für Masterstudierende vorgesehen ist.

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Lebenslanges Lernen…

Montag, 9. Februar 2009

…welch eine angenehme Vorstellung. Es mag ja für viele eine Last sein, sich an die Schulzeit zu erinnern, aber auch diese Menschen lernen weiter. Vielleicht nicht ganz so bewusst. Diejenigen, die sich freiwillig fortbilden bzw. auf dem Laufenden halten möchten, haben dazu in Schweden gute Möglichkeiten. Der Bund und die kommunalen Behörden bieten eine Vielzahl an Weiterbildungsformen. Und da den Schweden bewusst ist, dass eine gute Ausbildung der ganzen Gesellschaft dienlich sein kann, ist das Pauken sehr günstig zu haben.

Weite Verbreitung hat beispielsweise Komvux. Komvux steht für Kommunal vuxenutbildning (Kommunale Erwachsenenausbildung) und bietet Interessenten die Möglichkeit, Schulabschlüssen nachzuholen oder seine Noten in bestimmten Bereichen aufzupolieren. Auch viele Migranten nehmen an Komvux-Kursen teil, um ihre bisherigen Fach- und Schulkenntnisse durch die schwedischen Gepflogenheiten zu ergänzen oder ganz einfach, um Schwedisch zu lernen. Die Programme sind kostenlos, haben allerdings nicht alle den besten Ruf.

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Sprachkunde: Huligan trifft auf skinnskalle

Montag, 19. Januar 2009

Nachdem ich schon auf die interessante Art hingewiesen habe, wie die Schweden französische Lehnwörter in ihre Sprache integrieren, sollen nun ein paar englische Begriffe dargestellt werden. Wobei ich einschränkend sagen muss, dass es gut möglich ist, das einige Begriffe eher aus dem Deutschen kommen.

Grundsätzlich gilt, dass die Schweden wesentlich mehr als die Deutschen unternehmen, um Anglizismen in ihrer Sprache zu vermeiden. Allerdings kommen dabei zuweilen Verrenkungen heraus, die mit schöner Sprache nur noch wenig zu tun haben. Muss jeder selbst wissen, welchen Weg er besser findet.

Es gibt (mindestens) zwei Varianten, um die englischstämmigen Worte in den schwedischen Wortschatz zu integrieren. Zum einen gibt es die Möglichkeit, dass Begrifflichkeiten und Redenwendungen einfach eins zu eins ins Schwedische übersetzt werden. Aus “feel good movie” wird der “mår bra film”. Aus dem Skinhead wird ein skinskalle, der Star im Fernsehen wird ein stjärna. Ähnliches gilt für nyhetsbrev (Newsletter), ledare (leader, Leitartikel), mus (PC-Maus) oder arbetsminne (Arbeitsspeicher).

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Sprachkunde: Was mag ein “mannekäng” sein?

Freitag, 17. Oktober 2008

Dass ihnen manchmal auch der Schalk im Nacken sitzt (wo sie im europäischen Vergleich eher als ruhig und scheu gelten), beweisen die Schweden durch ihre Sprache. Besonders interessant die Übernahme fremdsprachlicher Begriffe ins Schwedische – die so genannten Lehnwörter.

Was sicherlich bei vielen Rechtschreibegeplagten in Deutschland großen Neid entstehen lässt: Die Schweden schreiben, wie sie reden. Und das sehr konsequent. Bekanntlich haben Fremdsprache meist die Tücke, dass sie nicht nur andere Worte nutzen, sondern auch andere Laute haben. Dieses Problem umgehen die Schweden sehr pragmatisch. Vor allem mit französischen Lehnworten. Aus dem im Französischen häufig vorkommenden eu wird gerne mal ein ö. Somit wird der Flaneur zum Flanör (Interessant finde ich, dass wir im Deutschen beinahe nur beim Frisör dieses Prinzip anwenden. Trotz beinaher identischer Aussprache wie im Schwedischen.) Auch die Abfolge dreier aufeinander folgender Vokale kürzen die Schweden radikal. Aus Niveau wird dann ganz schnell Nivå (das å spricht man wie ein o). Fragt sich, ob sie aus dem Beau (dem Schönen) auch einen Bå machen würden?

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Du, Sie und Vaters Vater

Mittwoch, 24. September 2008

Das Schwedische enthält in den Augen (deutscher) Sprachfreunde einige interessante Erscheinungen, die ich immer mal wieder ansprechen möchte. Denn nur über Reflexion anderer Sprachen kann man seine eigene richtig kennenlernen und Vor- und Nachteile herausfiltern. Und unterhaltsam ist dies zuweilen auch…

Der größte Vorteil des Schwedischen ist gar nicht so sehr linguistisch, sondern soziologisch bestimmt: Es wird beinahe durchgängig geduzt. Waren die 68er in Skandinavien zwar nicht ganz so revolutionär wie in weiten Teilen Zentraleuropas, so haben sie doch die ungeheure Neuerung des Duzens mit sich gebracht. Es ist in Schweden möglich, jeden Menschen zu duzen: die Lehrerin, den Polizisten, die Parlamentsabgeordnete und den Opernstar. Ein lästiges “wie spreche ich die Person jetzt an” entfällt somit komplett, was meiner Meinung nach den Alltag erheblich erleichtert und auch eine gute Atmosphäre schafft. Eine Ausnahme stellt maximal der König und seine Familie dar, welche mit Sie oder Eure Majestät angesprochen werden. Aber auch der würde sich vermutlich nicht beleidigt fühlen, wenn man ihn Karl Gustav nennt, handelt es sich bei ihm und seiner Familie doch um dem Volk sehr nahe stehenden Adeligen.

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