Topdemokratie?!?

Regelmäßig erscheint Schweden in Toppositionen, wenn die westliche Welt sich mal wieder zu einem Demokratieranking hergibt. Das Land gilt mit seinen sieben etablierten Parteien als besonders pluralistisch, erlaubt einen größeren Spielraum für die Äußerung seiner eigenen Meinung als die meisten anderen europäischen Staaten und setzt sehr viel Wert auf Transparenz im politischen Entscheidungsprozess. Das Öffentlichkeitsprinzip erlaubt es jeden Bürger Einsicht in politische Akten einzufordern. Außerdem gibt es für viele gesellschaftliche Gruppen einen Ombudsmann, an den Bürger sich wenden können, falls sie sich von der Regierung, Ämtern oder anderen Personen und Firmen diskriminiert oder falsch behandelt sehen. Das alles spricht für Schweden und sollte natürlich anerkannt werden. Zumal die Schweden beispielsweise das Prinzip der Ombudsfrau/des Ombudsmannes in die EU gebracht haben.

Umso erstaunlicher ist es da, dass die so genannte Vierte Macht im Staate Schweden so schwach ist!

Gemeint sind die Medien, welche neben der Regierung, dem Parlament und der Rechtssprechung auf den Meinungsbildungsprozess einwirken sollen. Die Medien sind vor allem wichtig als Kontrollorgan der politischen Institutionen. Die angesehenste überregionale Tageszeitung ist die Dagens Nyheter, welche maximal noch Konkurrenz durch das Svenska dagbladet bekommt. In keinerlei Hinsicht können diese beiden Zeitung den seriösen deutschen Zeitungen wie Süddeutsche, taz und Frankfurter Allgemeine Zeitung das Wasser reichen. Es herrscht der Boulevard: viele Fotos, Skandalgeschichten an exponierten Stellen des Blattes und kurze Artikel. Die Internetauftritte der Blätter haben als Aufhänger entweder Sportneuigkeiten oder Berichte über jüngst verübte Verbrechen. Würde man den Zeitungen Glauben schenke, würde man auf die Idee kommen, dass Stockholm gleich nach Mexiko City die gefährlichste Stadt der Welt sei. Aus deutscher Sicht kann ich nur sagen, dass hier regelmäßig aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird.

Auffällig ist, dass sich – vermutlich aufgrund der geringen Qualität der Printmedien – sehr viele Internetzeitungen in Schweden etabliert haben. Die Bandbreite politischer Gesinnung ist groß und hier kann schon viel eher von investigativem Journalismus gesprochen werden. Natürlich erreichen diese Plattformen jeweils nur einen geringen Anteil der Bevölkerung. Das Gros der Stockholmer liest allmorgendlich eine der drei Gratiszeitungen City, Metro und Punkt SE. Über deren Niveau muss hier gar nicht gesprochen werden.

Zu hoffen bleibt, dass im Falle Schwedens das Interesse an guten Journalismus bestehen bzw. wieder erweckt wird. Medien sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft und sollten unabhängig und kritisch agieren.

Ende der Predigt. Positiveres gibt es das nächste Mal.


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