Irgendwie typisch schwedisch

Wir Menschen neigen zum Pauschalisieren. Motiv ist in vielen Fällen eine Vereinfachung der Sachlage und der Wunsch nach Ordnung. Es soll nicht viele verschiedene Umstände und  Menschen geben, sondern wir versuchen immer, diese in Schubladen zu packen. Das befriedigt auf eine gewisse Weise. Wir meinen, etwas durchschaut zu haben. Schlauer als der Rest zu sein. Also tappse ich auch mal in diese Falle und schildere, was ich für typisch schwedisch halte. Eine zufällige Auswahl ohne den Anspruch auf Vollständigkeit. Sicher auch keine Ansammlung der wichtigsten Eigenschaften des schwedischen Volkes. Los geht’s:

Natur und rote Häuser (Foto: sramses177)

Natur und rote Häuser (Foto: sramses177)

1) Lagom: Lagom ist ein Adjektiv, dessen direkte Übersetzung schwer fällt. Es geht in die Richtung “genau richtig”, “angemessen” oder “konsensfähig”. Nudeln können lagom zubereitet sein oder eine Entscheidung lagom sein. Die Schweden wollen sich nicht so richtig streiten und am liebsten alles im Konsens bestimmen. Dies hat zur Folge, dass Parlamentsdebatten in Schweden noch viel langweiliger sind als in Deutschland. Verbale Attacken gegen Opposition oder Regierung fallen meist äußerst harmlos aus. Politik ist hier weniger Showbühne, ja, es wird sogar dem Vorredner immer für seine “interessanten Ausführungen” gedankt. Selbst wenn der christdemokratische Vorredner gerade die Ehe von Homosexuellen als sittenwidrig abgestempelt hat.

2) Sicherheit wird groß geschrieben im Land der Elche und Trolle. Schnelles Autofahren wird genauso abgelehnt wie Rad Fahren ohne Helm. Rauchmelder sind weit verbreitet, die Herde sind ausgestattet mit Zeitschaltuhren, so dass man nicht vergessen kann, die Platte auszumachen (mehr dazu hier).

3) Schwedische Häuser haben oftmals eine Holzfassade. Das weiß jeder aus den Astrid-Lindgren-Büchern und Filmen. Schwedische Häuser sind zudem relativ klein. Das kennt man eher von IKEA, wo oftmals gezeigt wird, wie man auf wenig Fläche viel unterbringen kann. Schwedische Häuser haben oftmals eine offene Bauweise, es gibt also weniger Türen. Küche und Wohnzimmer gehen oft ineinander über. Merkwürdigerweise gibt es viele Häuser, bei denen mehr oder weniger im Keller noch Zimmer zum Wohnen sind. Dann gibt es nur kleine Fenster relativ hoch im Raum. Bei Kinderzimmern ist es häufig so, dass sich Kinder einen Raum teilen – zumindest in älteren Häusern. Türen sind oftmals unverschlossen, zumindest auf dem Land. Und Vorhänge sind in Schweden nicht so verbreitet wie in Deutschland. Gute Chancen für die Nachbarn etwas vom Leben nebenan mitzubekommen.

4) Öffentlicher Verkehr in Schweden ist sehr gut ausgebaut. In fast jedes Dorf des großen Landes fährt mehrmals täglich ein Bus. Auch nachts kann man zumindest in Stockholm gut hin- und herfahren. U-Bahn-Fahren in Stockholm ist sehr bequem, gleichzeitig kann man die unterschiedlich gestalteten U-Bahnhöfe besichtigen. Züge fahren auch in viele Ecken des Landes, kann nur leider relativ teuer werden, wenn man nicht rechtzeitig bucht. Der Preis berechnet sich hier nach Beliebtheit der Strecke und Zeitpunkt des Buchens. Oder man hat Glück und ersteigert ein Last-Minute-Zugticket.

5) Schweden essen gerne mit Sirup gesüßtes Brot. Das ist für deutsche Gaumen sehr gewöhnungsbedürftig. Zumal, wenn die Brote so weich sind, dass sie auf ein Zehntel der Ursprungsgröße schrumpfen können, wenn man den Daumen auf die Kruste drückt.

Typisch schwedisch - wässriges Bier (Foto: Filmaniac)

Typisch schwedisch: wässriges Bier (Foto: Filmaniac)

6) Schweden können unheimlich viel essen, ohne dass sie schnell dick werden. Wie das gelingt, ist mir noch schleierhaft. Zwei mal täglich Warmes zu essen, ist eher die Regel als die Ausnahme. Es gibt unendlich viele und unendliche Leckere Süßigkeiten, Kuchen, Torten, Eissorten und Godis. Im Allgemeinen scheint der Schwede aber nicht dicker zu sein als der oder die Deutsche.

7) Zu den architektonischen Besonderheiten Schwedens zählt auch die oftmals sehr geringe Größe von Toiletten. Sollte man größer als 1,80 m sein oder mehr als 100 kg wiegen, kriegt man vermutlich in vielen öffentlichen Toiletten Schwedens Platzangst. Da man auf Gleichberechtigung achtet, sind viele Toiletten sowohl für Männlein als auch für Weiblein. Unklar ist noch, warum die Toiletten oftmals recht vernachlässigt aussehen, um es harmlos auszudrücken. Es wäre jetzt natürlich vermessen, dies auf die Männer zu schieben. Ich kenne keine Untersuchungen dazu.

8)  Ein wichtiger Teil des öffentlichen Lebens: Supermärkte. Sollte man nie in zu dünner Kleidung betreten, da sonst die Gefahr von Frostbeulen besteht. Die Obst- und Gemüseabteilung wird gerne recht kühl gehalten. Die Abschnitte mit den Kühlregalen sind nochmals ein paar Grad kälter. Da greift man doch lieber zu, wenn an der Kasse 3 Marabou-Riegel für 10 statt 12 SEK angeboten werden und man sich dadurch wärmendes Fett anfressen kann.

9) Warm korv i bröd – Hierzulande denkt man ja, dass Dänemark das Mutterland des Hotdogs sei. Aber in Schweden ist dieses Fast-Food auch sehr beliebt. Und es gibt sehr interessante Sorten. Beispielsweise Wurst in Fladenbrot mit eingelegten Gurken und Kartoffelpüree darauf.

10) Real American: Etwas nervig ist die unendliche Begeisterung für alles, was aus den USA kommt. Das fängt bei der Sprache an, geht weiter zu Filmen und TV-Serien, Musik und Stars. Und das im Vergleich zu Deutschland noch mal  um 50% potenziert. Sogar in selbst ernannten kritischen Kreisen wird Michael Moore mit seinen platten Dokumentationen als großer Aufklärer der Menschheit gefeiert. Barak Obama ist vermutlich der neue Retter der Menschheit.

10 ist eine Runde Zahl, also sei an dieser Stelle Schluss. Die Liste ließe sich natürlich noch beliebig fortsetzen. Da würde mir noch die Modebegeisterung einfallen, die leider recht hohe Anzahl an Nazis oder die Naturverbundenheit. Das wird jedoch aufgeschoben.


Deine Meinung dazu?