Umweltschutz made in Sweden

Margot Wallström, Schwedens Vertreterin in der EU-Kommission Foto: Chourka Glogowski, flickr

Margot Wallström, Schwedens Vertreterin in der EU-Kommission, Foto: Chourka Glogow- ski, flickr

Wie in vielen Ländern der Welt wird auch in Schweden das Thema Klimaveränderung heiß diskutiert, Maßnahmen zum so genannten Klimaschutz werden ergriffen, Reformen vollzogen usw. Auch der generelle Schutz der Umwelt (der in der Diskussion von der Bedeutung her nur noch Rang 2 einzunehmen scheint) spielt in Schweden eine wichtige Rolle. Im europäischen Vergleich zählen die Schweden als Saubermänner und -frauen. Nicht zuletzt dank der erfolgreichen Zeit Margot Wallströms als Umweltkommissarin der Europäischen Union. Gegen den Widerstand der “Klimadinosaurier” (und deren Protektoren, die u.a. in der damaligen deutschen Regierung anzutreffen waren), setzte sie in ihrer Amtszeit von 1999-2004 beispielsweise die Chemikalienrichtlinie durch. Diese zwingt die Industrie dazu, alle Chemikalien anzugeben, welche bei der Produktion benutzt werden.

Die Umweltfreundlichkeit der Schweden zeigt sich auch ihren sehr gut ausgebautem Netz des öffentlichen Nahverkehrs. In Stockholm wird dieser zusätzlich unterstützt durch die Einführung einer Maut für den Innenstadtbereich. Auch Elektroautos sind groß im Kommen. Die Regierung subventioniert Käufer eines Neuwagens mit Elektroantrieb mit einer Prämie von ca. 1000 Euro. Von allen verkauften Neuwagen 2007 waren 18% mit umweltfreundlichem Antrieb. Weitere Anstrengungen der Regierung sollen folgen, um zu einem Pionierland der Elektroautos zu werden.

Die jetzige Regierung möchte auch international als Klimaretter auftreten. So reiste Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt 2008 nach Japan und China, um dort mit den führenden Staatsmännern eine Besteuerung von Kohlenstoffdioxidausstoß zu diskutieren. Das Treffen mit den nicht gerade als große Umweltschutzenthusiasten bekannten Asiaten soll die große UN-Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen 2009 vorbereiten. Hier wird über ein Nachfolgermodell zum Kyotoprotokoll entschieden. Zu dieser Zeit wird Schweden außerdem die EU-Ratspräsidentschaft inne haben.

Doch die weiße Weste der Schweden in Sachen Umweltschutz weist auch dunkle Flecken auf. Beispielsweise wird beinahe die Hälfte des Stroms aus Kernkraft gewonnen. 12 Kernkraftreaktoren stehen in Schweden (zum Vergleich: in Deutschland haben wir 17 bei der zehnfachen Anzahl Einwohnern). Der Ausstieg aus der Kernkraft wird außerdem nicht ernsthaft diskutiert, sondern im Gegenteil – häufig Atomstrom als Mittel gegen den zu hohen Kohlendioxidausstoß genannt. Finnland möchte neue Reaktoren bauen, bleibt abzuwarten, ob auch Schweden diesen Schritt gehen will.

Weltweit nimmt der CO2-Ausstoß im Bereich Verkehr zu (während er zumindest innerhalb der EU in der Industrie tendenziell eher abnimmt). Die Schweden tragen dazu durch ihre Liebe zu großen Autos bei. Die immer noch beliebten Volvos sind schon keine kleinen Gefährte. Für viele muss es jedoch ein exotischeres Gefährt sein. Besonders beliebt: Autos US-amerikanischen Fabrikats. Einen Hummel (gut: es heißt Hummer) in Schweden zu sehen, ist nichts Ungewöhnliches. Gerne wird mit diesen an Panzer erinnernden Gefährten durch die Stadt oder durch die angeblich so geliebte schwedische Landschaft gefahren.

Beliebte Gefährte: Autos US-amerikanischen Fabrikats

Erstaunlich unkritisch sind viele Schweden auch gegenüber elektromagnetischen Strahlen. Mindestens ein Handy hat jeder – egal ob Rentner, Schulkind oder Umweltaktivist ( Hightech-Nation Schweden). In der Mittagspause wird sich zudem täglich Essen in der Mikrowelle aufgewärmt (denn die Schweden essen häufig gerne zwei Mal Warmes am Tag). 2008 hat sich außerdem das mobile Internet stark verbreitet, mit dem es auch in den entlegensten Ecken des Landes ohne Kabelverlegung eine gute Internetverbindung gibt.

Einen Hauch von Doppelmoral hat dieses inkonsequente Verhalten gegenüber Natur, Klima und Menschen. In bestimmten Bereichen möchte sich das Land – auch international – profilieren und ergreift fortschrittliche Maßnahmen. In anderen Situationen werden diese Errungenschaften zunichte gemacht oder zumindest stark geschmälert, indem auf Luxus und traditionelle Verhaltensweisen nicht verzichtet wird. 2009 wird ein interessantes Jahr, um zu sehen, welchen Weg Schweden in Sachen Umweltschutz einschlagen wird.


3 Kommentare zu “Umweltschutz made in Sweden”


  1. Ich habe auch dieses etwas zweigepsltene Bild des Umweltschutzes in Schweden. Ich meine mich zu erinnern, dass es ziemlich viele Naturschutzgebiete gibt, allerdings gibt es in Schweden ja auch viel Land, auf dem nicht besonders viele Leute wohnen.

    Dann fahren fast alle ein großes Auto (es heißt übrigens Hummer, http://de.wikipedia.org/wiki/Hummer_(Fahrzeug) ) und die Sache mit den Atomkraftwerken ist in mehreren Ländern noch ein Problem, da sie als umweltfreundlich gelten. Über den entstehenden Abfall scheint keiner so richtig nachzudenken.

  2. [...] wird Apfelpaj oder Blaubeerpaj, der in der Mikrowelle warm gemacht (eine Unart der Schweden:  Umweltschutz ) wird und dann auch jeden satt kriegen sollte. Sehr zu empfehlen auch Morotskaka, der [...]

  3. [...] Schwede ist nichts ohne sein Auto. Groß muss es sein, damit beim Einkaufen auch viel reingeht. Das Elektroauto gilt in Schweden als umweltfreundliche Alternative, die Meinung wird allerdings nicht von allen [...]

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