Unihockey: 2 Teams, 10 Schläger und jede Menge Rasanz
Genauso wie in Deutschland zumindest jeder Junge nicht darum hinkommt einem schwarz-weißen Lederball hinterzulaufen, werden schwedische Kinder mit einer bestimmten Sportart groß. Nur dass diese hierzulande weitaus unbekannter ist als der schnöde Fußball. Schwedische Eltern stellen ihre Kinder mit 2 Jahren auf die Skibretter, nehmen sie frühzeitig mit zum Segeln oder auch zum Eishockey.
Oder aber sie geben ihnen einen Kunststoff-Schläger in die Hand und fordern sie auf, ein etwa 50 cm Meter hohes Tor zu treffen. Dann nennt man das ganze Unihockey bzw. auf Schwedisch Innebandy und auf Englisch Floorball (alle drei Bezeichnungen nicht ganz glücklich für die Umschreibung des Sportes. Dass es bei der Sportart einen Boden gibt, kann man sich denken, man kann ihn nicht nur an der Uni ausüben und auch, dass er das Drinnen-Bandy-Spiel ist, sagt dem gemeinen Deutschen nicht viel.)
Innebandy ist verwandt mit Feldhockey, mehr aber noch mit Eishockey. Bei der Wettkampfvariante sind fünf Spieler auf dem Tor plus Torwart. Die Fakten: Kunststoffschläger (genauer: Carbon), der Ball aus dem gleichen Material und innen hohl, so dass er verdammt schnell werden kann. Im Gegensatz zum Eishockey weniger körperbetont und ohne lästiges Icing. Außerdem wird in der Turnhalle gespielt, so dass es ein extrem laufintensives Spiel wird. Meiner Meinung nach der beste Teamsport, wo gibt. Die Körperstatur spielt so gut wie keine Rolle, jeder Körperbau hat Vor- und Nachteile. Dadurch ist auch das gemeinsame Spiel von Frauen und Männern kein Problem. Das Spiel ist fair und es kommt selten zu Verletzungen – dickes Plus für jeden Hobbysportler. In der Qualität der Ausübung gibt es jedoch starke Unterschiede. Wie gesagt, in Schweden wachsen die Kinder mit dem Sport auf. Dementsprechend sind sie sowohl taktisch als strategisch gut geschult. Der meilenweite Vorsprung der Schweden vor beispielsweise Deutschland wird bei jeder Weltmeisterschaft im Innebandy deutlich. Hier streichen die deutschen Frauen und Männer regelmäßig hohe Niederlagen ein. Konkurrenz kommt für die Skandinavier höchstens noch aus Tschechien, der Schweiz und dem östlichen Nachbarn Finnland. Alle anderen sind chancenlos.
Und – was noch viel trauriger ist. Das Spielsystem bereitet – meiner Meinung nach – viel weniger Freude, nachdem die Köttbullargrenze überschritten wurde. Die Schweden lieben kurze schnelle Pässe und haben ein unglaublich gutes Auge für den Mitspieler. Deutsche Unihockeyspieler genügen sich hingegen zumeist mit Distanz/Gewaltschüssen, jeweils ausgeführt nach Einzelaktionen eines Spielers oder maximal drei anderen Beteiligten. Das ist öde und baut auf die typisch deutschen Sporttugenden von Kampfeswillen, Disziplin und Verteidigungstaktik auf. Auf diesem Gebiet ist Deutschland ein sportliches Entwicklungsland und es müssen noch viele Deutsche nach Schweden zum Training gehen bzw. sich schwedische Trainer ins Land holen, bis dieser Mangel behoben ist. Damit die Sportart in unseren Gefilden noch populärer wird, sollten die schwedischen Finalspiele im Fernsehen übertragen werden. Hier kämpfen jeweils zwei Herren- und zwei Damenmannschaft um die schwedischen Meistertitel und locken 15.000 Menschen in den Globen von Stockholm.
Ein großartiges Sportereignis einer großartigen Sportart, die die emsigen Schweden möglichst schnell in ihren Nachbarländern kultivieren sollten.

8. Dezember 2010 um 00:23
[...] für Randsportarten. Derzeit findet in Finnland die Weltmeisterschaft im Floorball (Schwedisch: Innebandy) statt. Wie immer gehört das schwedische Team zu den Topfavoriten. Derzeit sind die [...]