Valborg – Feuer zur Freude

Kaum zu glauben, aber wahr: auch in Schweden geht der Winter langsam zu Ende. Dieser Tage wird sogar die 20 Grad-Grenze angekratzt, bei der wir in Ostdeutschland schon seit ca. 3 Wochen sind. Dafür konnte man aus Deutschland nur neidisch die Berichte über einen richtigen Winter in Schweden lesen. Pattsituation somit.

Und weil sich jetzt alle freuen können, dass die Sonne sich nicht mehr durch drei Lagen Kleidung durchbohren muss, ehe sie als Wärme auf der Haut zu spüren ist, wird in Schweden erstmal gefeiert. Valborg heißt das Fest, welches am 30. April begangen wird. Übersetzt heißt es Walpurgisnacht. So mancher Deutscher mag sich denken: Kenn ich doch, haben wir auch. Tanz in den Mai, Hexen auf dem Brocken, Maitouren mit deftigen Besäufnissen (möglicherweise eine norddeutsche Sicht auf die Ereignisse).  Ähnlichkeiten sind zwar vorhanden, aber natürlich ist auch alles irgendwie anders.

Feuer an Valborg (Foto:mauronb, flickr)

Feuer an Valborg (Foto: Mauron B, flickr)

In Schweden ist Valborg schon so bedeutend, dass üblicherweise alle früher Schluss oder aber frei haben. Und am Abend wird dann in Stockholm und Umgebung gezündelt. Man trifft sich an Feuern und trinkt. Zusätzlich singt man allerdings auch den Frühling herbei. Das Singen, ja weit verbreitet in der schwedischen Kultur, wird auch an diesem Tag ausgiebig begangen.

Die Ursprünge für dieses Fest sind teils heidnisch, teils haben sie deutsche und christliche Wurzeln. Vor der Christianisierung Schwedens dienten die Feierlichkeiten dazu, die Sommerzeit willkommen zu heißen. Die Feuer sollten gleichzeitig wilde Tiere und/oder böse Geister vertreiben.  Die ganze Nacht über wurde gesungen, ums Feuer getanzt und natürlich auch ausgiebig getrunken. Wilde Feste also. In heidnischen Zeiten war es  außerdem die Zeit des Jahres, in der man den Toten gedachte bzw. der Meinung war, dass die Grenze zwischen den Toten und Lebenden am schwächsten war.

Den Namen für die Festlichkeiten stiftete nach der Christianisierung die Kirche. Wenn sie dem heidnischen Treiben schon kein Einhalt gebieten konnte, so konnten sie immerhin den Namen Walpurgisnacht durchsetzen. Walpurga ist nämlich eine christliche Missionarin aus dem achten Jahrhundert, die vermutlich am 1. Mai 870 heilig gesprochen wurde und der man deshalb vor allem im Mittelalter an diesem Tage gedachte.

Religiösen Charakter haben die Feierlichkeiten in Schweden heutzutage aber genauso wenig wie in Deutschland. Statt dessen haben sich die Studenten diesen Tag auserkoren, um ordentlich auf die Pauke zu hauen. Es gibt in Schweden unterschiedliche Traditionen, wie dieser Tag von Studenten begangen wird. Üblicherweise singen die Studenten auch den Frühling herbei, die Studentenvereinigungen präsentieren ihre Flaggen (z.B. in Skansen in Stockholm) und alle tragen ihre Studentenmützen. Und wie das bei Studenten so ist, beginnen sie früh am Tage zu trinken und hören erst wieder auf, wenn die Augenlider stärker als der Wille zum Weitermachen sind.

Alle anderen feiern auch diesen Tag, aber vielleicht eine Idee weniger exzessiv. Pünktliches Aufstehen am nächsten Tag ist für viele nämlich Pflicht: Der Tag der Arbeit lockt in dem sozialdemokratisch geprägten Land viele Menschen auf die Straße. Allein in Stockholm gibt es vier bis fünf Demos zum 1. Mai und es gilt sich zu entscheiden, ob man mit den Sozialdemokraten, der Vänsterparti (Linkspartei), Kommunisten, Syndikalisten oder ganz anderen Menschen auf die Straße gehen möchte.


Ein Kommentar zu “Valborg – Feuer zur Freude”


  1. [...] in Zusammenhang mit der Walpurgisnacht bereits erwähnt, tragen alle schwedischen Abiturienten ein Erkennungszeichen: eine weiße Mütze [...]

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