Sollen sie doch Bohnen essen!

Zeit sich unbeliebt zu machen, Zeit für eine Polemik. Ziel des Verbalangriffs: Veganismus. Grund: Die Doppelmoral der Gutmenschen oder schlichtweg Lücken in der Beweisführung. Thematischer Zusammenhang: Gefühlt ist die Anzahl an Veganern in Schweden prozentual höher als in Deutschland. Beweis: Die schwedischen McDonalds-Lokale bieten (angeblich) einen veganen Burger an: Mc Bean.

Neugierige Kuh (Foto: Potsdam)

Neugierige Kuh (Foto: Potsdam)

Vegan zu leben heißt, kein Fleisch zu essen sowie keine tierischen Produkte zu verzehren oder als Kleidung zu tragen. Hinzu kommt bei vielen Veganern der Verzicht auf Produkte, die durch Tierversuche getestet worden sind, beispielsweise Kosmetika oder Reinigungsmittel. Laut eigenen Aussagen gibt es in Deutschland etwa 250.000 bis 460.000 Veganer, was einen Bevölkerungsanteil von 0,3% entspricht. Der Begriff wurde von dem Engländer Donald Watson, dem Gründer der Vegan Society, 1944 geschaffen und leitet sich natürlich vom Wort vegetarian ab. Wie für andere Engländer die Welt nicht genug ist, war Herrn Watson der Verzicht auf Fleischessen nicht genug. Da kann man mehr draus machen, da kann man andere Produkte für nutzen.

Nun spricht aus meiner Sicht gar nichts gegen den Verzicht auf Fleisch. Gute Haltungsbedingungen für Tiere sollten gleichfalls selbstverständlich sein. Hier kann man als Kunde ja schon bewusst steuern, indem man Produkte von anspruchsvollen Bioketten wie Demeter oder Neuland kauft und sich sein Essen mehr Wert sein lässt (unter Umständen muss man dann halt mal auf das iPhone oder den Superflat-Fernseher mit brillianter Hochauflösung verzichten bzw. länger draufhin sparen). Kritisch wird es dann, wenn man nicht mal die Milch der Kuh trinken bzw. das Ei essen soll. Und absurd wird es bei der Frage, ob der Verzehr von Honig wirklich vereinbar ist mit einem veganen Lebensstil. Schließlich mussten die Bienen ja schuften, um die klebrige Leckerei zu produzieren. Da stellt sich mir die Frage, ob ich auch auf das Kutsche fahren verzichten muss bzw. in der Wüste meine Wasserkanister selbst tragen muss, damit das Kamel entlastet wird. Wo soll das hinführen? Klingt auf jeden Fall stark danach, dass Mensch und Tier getrennt leben sollen.

Wenn man das Argument einbringt, dass die Natur vorgesehen hat, dass wir Fleischesser sind und geschickt genug, um uns die Erzeugnisse anderer Lebewesen zu eigen zu machen, wird man vermutlich als Leugner der Evolution verurteilt. Schließlich sind wir heute weiter als die Neandertaler und können unsere Vernunft walten lassen. Die Vernunft waltet aber nicht lange. Denn statt die tierischen Produkte zu nehmen, greifen veganer auf Ersatzstoffe zurück. Sehr beliebt: Sojaprodukte. Die größten Sojaproduzenten der Welt: USA, Brasilien, Argentinien, China, Indien. Zwei Dinge sollten jedem sofort klar sein: Um die so beliebte Sojamilch trinken zu können, müssen riesige Containerschiffe zunächst die Waren um die halbe Welt schippern, damit wir verwöhnten Europäer den Latte Macchiato mit Sojamilch trinken können. Weil das so schön nussig schmeckt. Da bei weitem nicht jeder Veganer auch Umweltfreund ist, mag das noch nicht so stören.

Bei Soja plus USA fällt einem aber noch etwas anderes ein, was auch die reinen Menschen- und Tierfreunde beunruhigen wird: Es gibt in den USA dank Monsanto so gut wie kein Saatgut mehr, welches nicht gentechnisch verändert wurde. Obwohl damit in den USA ja schon viel früher begonnen wurde als bei uns, sind die Langzeitwirkungen der Genveränderungen nocht nicht abschließend geprüft. Möglicherweise ist also mein Soja-Käseschnitzel noch schädlicher als das Putenfleisch des Industriezuchtbetriebs.

Veganer haben es sicher im Alltag nicht leicht. Da bringt der Kollege Kuchen mit, den sie nicht essen dürfen. Essen gehen generell ist schwierig, da fast immer mit dem Koch diskutiert werden muss (in Schweden gibt es allerdings einige Restaurants, die auch explizit vegane Kost anbieten), Klamotten kaufen kann sich auch länger hinziehen, da man erst die genutzten Rohstoffe überprüfen muss. Diese Last kann man gerne auf sich nehmen, ist ja jedermanns eigene Entscheidung.

Schwierig wird es dann aber, wenn man sein Kind vegan aufzieht. Das kann nicht wie die anderen Kinder das Eis vom Eiswagen kaufen (wobei es in Schweden viel veganes Eis geben soll, aber das vermutlich eher im Supermarkt). Und irgendwie könnte man auch meinen, das dem Kind ein paar Nährstoffe fehlen, um sich richtig zu entwickeln. Regelmäßige Blutwertkontrollen sind da schon Pflicht, also ist man gleich Stammgast beim Arzt. Und vielleicht schmecken schlichtweg die Kombinationen aus Tofu, Bohnen und Gemüse dann doch irgendwann langweilig. Mit genussvollem Essen kann das eigentlich nichts mehr zu tun haben. Als Ausgleich kann ich aber meiner Umwelt ein schlechtes Gewissen bereiten, wenn ich in der Mittagspause regelmäßig mein veganes Mahl verzehre. Und kann verkünden, dass irgendein Lebensmittelkonzern mal wieder nicht auf die Tierhaltung geachtet hat bzw. wie viele süße Lämmer jedes Jahr sterben, weil sie auf unserem Teller landen. Da ist der Veganer moralisch erhoben und kann sich sagen “Siehste!”.

Die veganen Tierfreunde sind dann allerdings nicht immer Menschenfreunde: der Tabak für die Zigarette nach dem Essen wurde dann doch meist von Menschen gepflückt, die nicht mal einen Euro am Tag verdienen. Das ist dann aber nicht der Rede wert. Man kann sich schließlich nicht um alles kümmern…


4 Kommentare zu “Sollen sie doch Bohnen essen!”


  1. Das Soja für die Sojamilch wird meistens umweltfreundlicher angebaut als das Soja was für die Tiermast verwendet wird. Dessen Anteil ist übrigens der wesentlich grössere. Deutsch Bio Produzenten verwenden auch Soja aus Deutschland oder Südeuropa. Der Fleischesser ist der gössere Sojakonsument (über die Teirzucht).

    Walden

  2. Wenn sich die Sojamilchfans anschauen, woher ihre Milch kommt – umso besser. Ich kenne allerdings mehr bzw. zu viele, die meinen, Sojamilch sei per se etwas Gutes.

    Das Verfüttern von Soja oder generell von Futtermitteln, die aus anderen Ländern importiert werden, ist ein großes Problem. Bei uns wird ja leider lieber Mais angebaut, um ihn in Biogasanlagen zu verpulvern… Die ganzen kleinen Gemeinden und Ortschaften, die den Bau dieser “Bio”gasanlagen genehmigen, sind da leider sehr kurzsichtig gewesen.

  3. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob man Soja wirklich in Deutschland anbauen könnte. Ich tippe aber eher auf nein, da die Bauern von Neuland z.B. meistens Erbsen anbauen, um diesen als Sojaersatz (ich tippe Eiweißträger?) zu verfüttern.

  4. esahrets0 sagt:

    Freut mich, dass Du Dich so unglaublich gut informiert hast. Du latschst in den Himmel sinnierend in das Sojabohnen-Fettnäpfchen, bringst das “Natürlichkeitsargument”, meinst dass Tofu, Seitan und Co. Fleischersatzprodukte sind, eine rein Pflanzliche Ernährung bald langweilig wird, weil die riesige Fleischauswahl ja ein unglaublicher kulinarischer Gewinn für die Kochwelt darstellt, glaubst, dass heutzutage immer noch der Eismann durch die Dörfer fährt (ich weiß nicht, wie es in Schweden ist), wie vor 20 Jahren,…

    Entschuldigung, aber Du bist ein klassischer, uninformierter Troll, der sich ohne über ein Thema richtig zu informieren einfach mal darauf los publiziert.

    Ich könnte jetzt meine Zeit opfern, Dich aufzuklären, aber ich fürchte, dass das verschwendete Zeit wäre. Wenn Du interessiert und Dir ein bisschen Mühe gibst, findest Du selbst heraus, wie Du Dich Lüge strafen kannst.

    der Hase

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