Schwedische Weihnacht – die Feiertage

Weihnachtsrituale sind in jedem Land anders und hängen von Klima, Mentalität, Religiösität, Gesetzgebung und Kulturverständnis ab. Viele der traditionellen deutschen Weihnachtsaktivitäten werde auch in Schweden verfolgt. Beispielsweise gibt es auch in Schweden Weihnachtsbäume. Ist ja auch kein Problem, da es Bäume en masse in Skandinavien gibt. Im 16. Jahrhundert kam die Tradition des Weihnachtsbaumes in Deutschland auf und verbreitete sich bis heute in eine Vielzahl von Ländern. In Schweden gibt es seit Mitte des 18. Jahrhunderts etwa geschmückte Bäume. Neben oder unter dem Weihnachtsbaum steht in Schweden jedoch häufig noch der Julbocken. Dieser Weihnachtsbock aus Stroh mit roten Bändern als Befestigungsmaterial soll der schwedischen Überlieferung nach für die Geschenke zuständig sein.

Wie auch in Deutschland ist Heilig Abend der zentrale Festtag und nennt sich Julafton (Weihnachtsabend). Dann kommen erster und zweiter Weihnachtstag. Allerdings mit der kleinen aber feinen Einschränkung, dass die Geschäfte an diesen Tagen offen sind. Somit haben sehr viele Verkäufer nicht viel vom Weihnachtsfest. Sogar Supermärkte sind geöffnet.  Der Schwede an sich ist es nicht gewohnt, nur einen Tag nicht an Lebensmittel zu kommen. Und somit hat er auch kein Problem damit, an Weihnachten erstmal großartig shoppen zu gehen.

Es gibt aber natürlich auch noch ein paar Traditionalisten. Für die beginnt der Heilig Abend mit dem Aufstellen des Baumes. Dann versammelt sich nachmittags um 15 Uhr die Familie vor dem Fernseher und schaut gemeinsam Kalle Anka. Dies ist eine Serie mit Episoden verschiedener Zeichentrickfiguren, darunter Kalle Anka, Donald Duck. Seit 1960 wird dieses gemeinsame Fernsehschauen zelebriert. Anschließend gibt es Bescherung und den Julbord.

Am ersten Weihnachtstag wird dann ganz früh aufgestanden und in die Kirche gegangen. Schon  um 7 Uhr finden die Gottesdienste statt. Generell stehen die Schweden an religiösen Feiertagen früh auf – so auch an Lucia. Warum dies so ist, habe ich jedoch noch nicht rausfinden können. Immerhin hat man dann noch den ganzen Tag vor sich und kann ihn dann traditionell mit der Familie oder – weniger traditionell – im  Einkaufszentrum verbringen.

Ungewöhnlich für Touristen ist die Tatsache, dass auch an Heilig Abend schon Böller und Silvesterknaller losgelassen werden. Diese gibt es bei uns meist erst ab dem 28.12. zu kaufen, wobei sich diese Verkaufsbeschränkung auch aufzulösen scheint. Es ist auf alle Fälle etwas absurd, die heilige stille Nacht mit Knallern zu erleben. Vielleicht auch nur ein Sabotageakt von Atheisten, wer weiß das schon?

Nicht unwichtig ist das etwas andere Aussehen des Weihnachtsmannes in Schweden. Trotz großer Fortschritte im Bereich der Gleichberechtigung verteilt auch hier nur ein Mann Geschenke. Dieser ähnelt in Schweden allerdings mehr einem Wicht. Er ist sehr viel kleiner und wird auf Postkarten nicht als selbstbewusster Lebemann dargestellt, sondern als naturverbundenes Wesen, das sich gerne im Wald versteckt. Er trägt auch nicht ausschließlich weiß und rot, sondern ebenso blaue oder grüne Kleidungsstücke. Genannt wird der gute Mann tomte und geholfen wird ihm von den tomtenissar, eine Art Weihnachtselfen. Unterscheiden kann man sie vom tomten durch die andersfarbige Kleidung (eigentlich gar nicht mehr rot). Diese Art der Weihnachtswesen gehen natürlich auf die schwedische Volkssagen zurück, in denen Trolle und jede Menge Waldwesen ihr Unwesen treiben (man denke an Ronja Räubertochter).

Und wer mit all dieser Mythologie zu Weihnachten so gar nichts anfangen kann, freut sich auf den so genannten Mellandagsrea, dem Schlussverkauf zwischen Weihnachten und Neujahr.

Auf alle Fälle: Schöne Weihnachten!


Ein Kommentar zu “Schwedische Weihnacht – die Feiertage”


  1. Das erklärt natürlich die vielen kleinen Wichte auf den schwedischen Weihnachtskarten.

    Was den Weihnachtsbaum angeht, so muss ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es aber doch etwas anders ist als hier in Deutschland. Ich erinnere mich nämlich daran, dass der in Huddinge besorgte eher ein Busch war und kein Baum.

    Auch von mir schöne Weihnachten an alle.

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