Wickie und die starken Männer

Im September ist in Deutschland die Verfilmung von “Wickie und die starken Männer” in die Kinos gekommen. Nicht schwer zu erraten, dass sowohl die Zeichentrickserie als auch der Film auf einer schwedischen Geschichte beruht. 1963 veröffentlichte Runer Jonsson seine erste Geschichte um den kleinen Helden Vicke Viking. Vier weitere Kinderbücher folgten in den 60ern, danach wurden nur noch zwei Geschichten veröffentlicht. Jonsson starb 2006 und konnte bei der Verfilmung somit nicht mehr mitwirken. Zumindest verdient haben wird er zu Lebzeiten mit seinem kleinen Antihelden genug. 1975/76 wurden 86 Zeichentrickfolgen von Vicke in Japan produziert und waren sowohl in Schweden, Deutschland, Österreich und Japan große Erfolge.

Vicke Viking (Bild: Batigolix)

Vicke Viking (Bild: Batigolix)

Vickes Erfinder war Journalist und Schrifsteller zugleich. Neben der Geschichte um die Wikinger schrieb er noch etwa 40 andere Romane und Kinderbücher, darunter Ulme från Öland. Wie Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf war auch Vicke zunächst eine Geschichte für das eigene Kind. Jonsson, 1916 geboren, war bereits mit 19 Redakteur der Nybro Tidningen (Südschweden, nahe Kalmar) und wurde in jungen Jahren zum Chefredakteur befördert. Den Aufschwung der Sozialdemokraten in den 30er Jahren unterstützte er und wetterte gegen Nationalsozialismus und Kommunismus. Volkserziehung im Sinne des schwedischen Folkshemmet war ihm zeit seines Lebens ein wichtiges Anliegen.

Wen verwundert es da, dass es sich bei Vicke eher um einen Antihelden handelt als um den klassischen Bezwinger des Bösen. Er zeigt seinem Vater und Stammesanführer Halvar, wo der Hammer hängt. Nicht rohe Gewalt lässt er walten, sondern er schaltet seine kleinen grauen Zellen ein. Dazu legt er sich gerne auf den Boden oder reibt auf ganz charakteristische Art und Weise an seiner kleinen Stupsnase, bis ihm die Erleuchtung kommt und der Zeigefinger in die Luft gereckt werden kann. Trotz des Pazifismus sind die Geschichten aber nicht bieder und langweilig, da auch die Nebencharaktere sehr unterhaltsame Züge aufweisen.

Sehr interessant auch die in der taz geäußerte These, dass Wickie die erste Transgender-Zeichentrickfigur ist. Wie die Maus aus der “Sendung mit der Maus” kann man das Geschlecht von Vicke nicht genau einordnen. Der Name lässt zumindest im Deutschen beide Geschlechter zu. Die Stimme ebenfalls und dass Ängstliche und Überlegte an der Figur lässt eher auf eine weibliche Figur schließen. Im Titellied der Zeichentrickserie wird gesungen, dass “sie” das Segel anfässt (Das stimmt doch nicht. Mir wurde freundlicherweise der Hinweis gegeben, dass es “zieh fest das Segel an” heißt. Also Nachsitzen mit Wickie-Serien für mich) , in der Serie wird dann aber meist von “ihm” gesprochen. Ist ja auch nicht entscheidend für die Story, hat aber vermutlich so manche Eltern in Erklärungsnot gebracht beim gemeinsamen Fernsehgucken mit den Kindern.

Im Film spielt Jonas Hämmerle den kleinen Wikinger. Regisseur ist Michael “Bully” Herbig, der in dem Film auch als Schauspieler zu sehen ist. In Nebenrollen zu sehen sind außerdem Herbert Feuerstein, Jürgen Vogel und Oliver Christoph Maria Herbst. Tenor über den Film ist, dass er ein braver Kinderfilm, aber für Erwachsene nicht prickelnd genug ist. Es wird bemängelt, dass die Ecken und Kanten fehlen und der typische Bully-Humor nur aufgesetzt wirkt. Außerdem wurden Charaktere hinzugedichtet, die nicht in die Story passen. Wer vom Film enttäuscht ist, hat aber ja immer noch die Möglichkeit sich die gelungenen Comics von damals anzusehen.

Trailer und Infos zum Film gibts hier.


4 Kommentare zu “Wickie und die starken Männer”


  1. Moin,

    der gute Mann heißt Christoph Maria Herbst! ;-)

    Gruß
    Maik

  2. [...] schreibt Interessantes über Wickie. Aber warum Antiheld? Er ist doch offensichtlich der eigentliche Held, im Gegensatz zu den [...]

  3. “Im Titellied der Zeichentrickserie wird gesungen, dass “sie” das Segel anfässt”

    Nein, die Textzeile lautet “zieh fest das Segel an”, später heißt es ja auch noch “die Angst vorm Wolf macht ihn nicht froh”.

    Ich kann mich aber gut erinnern, dass ich mit meiner Cousine früher diese Diskussion auch immer hatte, dabei war sie für die Rolle der Ylvi prädestiniert.

  4. Es heißt “ZIEH fest das Segel an”,
    nicht “sie fässt das Segel an” ;-)

    Und danach heißt es z.B auch: Die Angst vorm Wolf macht IHN nicht froh.”

    Wickie ist also schon ganz eindeutig ein Junge ;-)

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