Neue Zahlungsmittel in Schweden

Die Schweden wollen den Euro nicht. Und das scheinbar auch mittelfristig nicht, denn im Jahr 2008 wurde von Seiten der schwedischen Politiker eine Kommission eingesetzt, die das schwedische Geldsystem überprüfen soll. Nicht etwa die Abläufe, sondern ganz konkret die Münzen und Scheine. So manch Politiker scheint aufgegangen sein, was ausländischen Besuchern in Schweden nach zwei Tagen auffällt: Das schwedische Geld ist unpraktisch.

Münzsammlung (Foto: add1sun)

Münzsammlung (Foto: add1sun)

Holt man sich Geld am Automaten, spuckt dieser meist 500-Kronen-Scheine aus. Wenn man damit im Geschäft bezahlt, wird der Schein meist schon mal gründlich geprüft. Dagegen ist ja nichts zu sagen. Passiert aber in Deutschland mit 50 Euro-Scheinen nach meiner Erfahrung nicht so oft. Bezahlt man also mit diesem Schein, bekommt man als Wechselgeld bis zu vier 100-Kronen-Scheine wieder. Als Konsequenz hat man viele Scheine im Portemonnaie und verliert schnell die Übersicht, wie viel Geld man aktuell besitzt.

Ähnlich läuft es beim Bezahlen kleinerer Summen. Meist bekommt man eine Menge 1-Krone-Münzen oder noch schlimmer 50-Öre-Münzen wieder. Ich glaube, es gibt fast kein Produkt in Schweden, das 50 Öre kostet. In Supermärkten wird eh auf- bzw. abgerundet, damit man auf eine Summe kommt, die mit dem schwedischen Münzsystem kompatibel ist. Es gibt nämlich nur 50-Öre-Stücke, keine 10 oder 5-Öre-Münzen.

Im letzten Jahr wurde zunächst der sehr vernünftige Entschluss gefasst, die 50-Öre-Münze abzuschaffen. Bis zum 30.9.2010 kann man noch mit ihr bezahlen, danach wird sie schrittweise aus dem Verkehr gezogen. Das verspricht schon mal weniger Ballast in der Geldbörse. Andererseits ist das 50-Öre-Stück vom Charakter sehr dicht an Spielgeld, da es viel leichter ist als die anderen Münzen. Außer den ewigen Nostalgikern wird der Münze wohl niemand nachtrauern. Außerdem gibt es Ersatz: Vermutlich wird im Gegenzug eine 2-Kronen-Münze eingeführt.

Aktuell wird diskutiert, den 20-Kronen-Schein durch eine Münze zu ersetzen. Da würde er dasselbe Schicksal erleiden wie der 10-Kronen-Schein, der 1991 durch eine Münze ersetzt wurde.
Interessant ist das Motiv dieser Änderung: Es soll nämlich unter anderem aus Umweltschutzgründen umgesetzt werden. Über die Frage, wie man bei Geld etwas Gutes für die Umwelt tun kann, muss man eine Weile nachdenken. Die Logik ist laut Reichsbank, dass die 20-Kronen-Scheine meist schneller verschleißen als Münzen. Da muss die Notenbank also öfter mal die Druckerpressen anschmeißen, was Energie und Papier kostet. Zu klären wäre, ob die Reichsbank auch bedacht hat, dass der Einsatz von schwereren Münzen langfristig auf die Benzinverbräuche Auswirkungen haben kann.

Aber Form und Material des jetzigen Geldes werden eh neu bewertet und vermutlich grundlegend geändert. Derzeit gibt es vergleichsweise wenige Münzen: 50 Öre, 1 Krone, 5 Kronen, 10 Kronen. Scheine wiederum existieren mit den Werten 20, 50, 100, 500 und 1000 Kronen. Überlegungen gibt es zudem über die Einführung eines 200-Kronen-Scheines. Für alle Scheine ist eine Erhöhung des Sicherheitsstandards vorgesehen, damit diese nicht leicht zu fälschen sind.

Jetzt die schwierige Frage:  Was ist aktuell auf den Geldscheinen? Kann ich ehrlich gesagt schon für unser europäisches Geld nicht ad hoc beantworten. Ein Blick in die Wikipedia verrät, dass die Euro-Scheine in allen Ländern dieselben sind und nicht Personen abbilden, sondern Baustile. Es werden fiktive Brücken und Gebäude abgebildet, die aus unterschiedlichen kunsthistorischen Epochen stammen. Logik: Europa hat gemeinsame Wurzeln, also ist es auch eine Einheit.

Beim schwedischen Geld ist vermutlich der 20-Kronen-Schein mit der Schriftstellerin Selma Lagerlöff am präsentesten. Umgangssprachlich wird der Schein auch „Selman“ genannt und ist in lila gehalten. Den 50-Kronen-Schein ziert auch eine Frau: Die Opernsängerin Jenny Lind (1820-1887), welche in ihrer Karriere verschiedene Länder bereiste und in England starb.

Die großen Scheine sind dann selbstverständlich den Männern vorbehalten. Da ist auch in Schweden Schluss mit der Gleichberechtigung. Auf dem 100-Kronen-Schein ist der Naturforscher, Botaniker, Arzt und Pädagoge Carl von Linné (1707-1778)  zu sehen.
Weniger bekannt ist Christopher Polhem (1661-1751), der den 500-Kronen-Schein ziert. Der Name lässt schon vermuten, dass er ursprünglich nicht aus Schweden kam. Ein deutscher Kaufmann war Polhem, der sich zunächst in Visby niedergelassen hat. Später studierter er Physik, Mathematik und Ingenieurswesen in Uppsala und erfand bestimmte Techniken, darunter eine Schleuse und eine Uhr, die Zeit, Datum und Sternzeichen anzeigen kann. Den 500-Kronen-Schein teilt er sich mit König Gustav XI.

Die 1000 Kronen-Note ist ebenfalls für einen Blaublüter reserviert: Gustav Vasa wird hier abgebildet. Er hat in Schweden die Erbmonarchie mit Bürokratie und Zentralapparat eingeführt und gilt damit mehr oder weniger als Begründer des schwedischen Staates. Entgegen manch anderen europäischen Monarchien geht der amtierende König also leer aus. Bei seiner Beliebtheit würde es aber nicht sonderlich überraschen, wenn er bei den anstehenden Reformen Berücksichtigung findet. Diese werden bis 2015 abgeschlossen. Bis dahin gibt es ja noch zwei Hochzeiten und bestimmt auch Nachwuchs im Königshaus…


2 Kommentare zu “Neue Zahlungsmittel in Schweden”


  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Hannes erwähnt. Hannes sagte: Neue Zahlungsmittel in Schweden http://bit.ly/94U7Qj [...]

  2. Das Problem mit kleinen Scheinen und Münzgeld stellt sich bei mir im Alltag kaum, weil mittlerweile so viel über Karte läuft. Außer den 50-Öre-Münzen kriegt man auch alles Geld gut wieder los, so dass sich nicht wie im Euroraum die 1-,2- und 5-Cent-Münzen sammeln. Schweden wird bei der Euro-Einführung dann wohl auch erst mit der 10-Cent-Münze beginnen.

    Der 1000-Kronen-Schein wird mittelfristig auch abgeschafft, denke ich. Ich habe ihn in fast 5 Jahren hier vielleicht dreimal gesehen.

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